Abstract:
Der Verlust an Biodiversität gilt als eines der zentralen Umweltprobleme. Um die Bedeutung der Biodiversität aufzuzeigen, wird heute in Wissenschaft und Praxis meist der Wert einzelner Arten oder Ökosysteme bestimmt. Die zugrundeliegende Überlegung ist, dass eine Art oder ein Ökosystem erhaltenswert sei, solange ihr Wert über dem Nutzen ihres Verlusts liegt. Hierbei handelt es sich, auf den ersten Blick, um einen rationalen, typisch ökonomischen Gedankengang. Wie diese Studie zeigt, greift diese Überlegung allerdings zu kurz. Bei der Biodiversität handelt es sich, ähnlich einem Aktienportfolio oder einem Portfolio von Versicherungsrisiken, um ein Portfolio verschiedener Gene, Arten oder Ökosysteme. Beim Management von Wertpapieren ist heute die Erkenntnis der Portfoliotheorie allgemein anerkannt, dass sich in Portfolios Erträge addieren, Risiken hingegen diversifizieren und dass gut gemanagte Portfolios häufig auch Wertpapiere enthalten, die – isoliert betrachtet – nur wenig attraktiv erscheinen. Fragen der Biodiversität werden heute nicht unter Zuhilfenahme der Portfoliotheorie diskutiert und dies ist zu bedauern. Die Art und Weise, wie Biodiversität heute meist betrachtet wird, hinkt, prägnant ausgedrückt, dem Wertschriftenmanagement um über 50 Jahre hinterher. Diese Studie zeigt, wie Portfoliomanager Biodiversität betrachten und managen würden. Die wahrscheinlich erstaunlichste und provokanteste Erkenntnis ist, dass Portfoliomanager vermutlich mehr Arten bewahren würden, als aus der heute gängigen Betrachtungsweise sinnvoll erscheint.