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Das amerikanische Beschäftigungswunder: Was sich daraus lernen läßt

Erich Gundlach () and Klaus-Dieter Schmidt

No 109, Kiel Discussion Papers from Kiel Institute for the World Economy (IfW)

Abstract: In der Diskussion um die hohe Arbeitslosigkeit geben in der Bundesrepublik die Pessimisten den Ton an. Niedrige Wachstumsraten und ein hohes Rationalisierungstempo, so lautet das Standardargument, würden den Mangel an Arbeitsplätzen weiter vergrößern. Dies muß nicht so sein. Am Beispiel des amerikanischen Beschäftigungswunders läßt sich studieren, wie man mit dem Problem fertig werden kann. In den Vereinigten Staaten sind in den letzten zehn Jahren rund 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden, der überwiegende Teil von kleinen und mittleren Unternehmen in den Regionen mit raschem Wirtschaftswachstum im Süden und Westen des Landes. Fast alle sind im Dienstleistungssektor entstanden - im Handel, im Gaststättengewerbe, bei den Kreditinstituten und vor allem bei einer Reihe junger Dienstleistungsbranchen, die sich im Umfeld von Produktionsunternehmen angesiedelt haben, wie Datenverarbeitungs- und Dateninformationsdienste, Unternehmensberatung, Anlagenleasing oder Kurierdienste. Es sind nicht nur Arbeitsplätze für Computerspezialisten und für Pizzabäcker, wie das häufig behauptet wird. Das sektorale und berufliche Muster der zusätzlichen Beschäftigung ist ganz normal für eine moderne Dienstleistungsgesellschaft, in der ein breites Spektrum an intellektuellen Fähigkeiten und manuellen Fertigkeiten vorhanden ist. Die insgesamt positive Bilanz läßt sich vor allem darauf zurückführen, daß in den Vereinigten Staaten die Reallöhne nur vergleichsweise wenig gestiegen und teilweise sogar gesunken sind. Es gab nicht jenen Rationalisierungsdruck, der in den meisten europäischen Ländern dazu führte, daß zu viele alte Arbeitsplätze verlorengingen, während gleichzeitig zu wenig neue entstanden. Nicht minder wichtig war aber die große Flexibilität und Mobilität, die viele Amerikaner bei der Suche nach einer Beschäftigungsmöglichkeit zeigten, nämlich die Bereitschaft, einen Arbeitsplatz zu akzeptieren, der wenig attraktiv war - etwa mit Schichtarbeit statt Regelarbeitszeit, am Fließband statt am Schreibtisch, an der Peripherie statt in der City. Das amerikanische Beispiel weist die Richtung, in der auch hierzulande die Lösungen zu suchen sind: Der Weg zu mehr Arbeitsplätzen führt nur über marktgerechte Löhne, und das heißt über Veränderungen in den intersektoralen und interregiohalen Lohnrelationen. Und er führt nur über die Beseitigung administrativer Regulierungen, die Außenseitern den Marktzutritt erschweren. Beides hängt eng miteinander zusammen: Auf deregulierten Märkten kommt nach den amerikanischen Erfahrungen rasch Bewegung in die Löhne, und es entstehen auch neue Arbeitsplätze.

Date: 1985
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