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Neue Autoritäten? Ein kommunikationstheoretischer Blick auf die Deutungsmacht inter- und transnationaler Akteure in der Darfurkrise

New Authorities? A Communication-Theoretical View of the Symbolic Power of International and Transnational Actors in the Dafur Crisis

Matthias Ecker-Ehrhardt

No SP IV 2007-303, Discussion Papers, Research Unit: Global Governance from Social Science Research Center Berlin (WZB)

Abstract: In Anlehnung an das Webersche Konzept legitimer Herrschaft lässt sich die Fähigkeit effektiv zu regieren, nicht nur im Sinne von Zwang und/oder Anreizen verstehen, sondern gerade auch durch die verbreitete Anerkennung von Akteuren als legitime „Autoritäten“. Wie viele Beobachter überzeugend argumentiert haben, spielen Nichtregierungsorganisationen und internationale Bürokratien eine entscheidende – und vielleicht auch zunehmend wichtigere – Rolle in der internationalen Politik, gerade weil sie als normative und epistemische Autoritäten anerkannt werden. Das Entstehen einer denationalisierten „multicentric world“ (James Rosenau) wird entsprechend oft behauptet, obwohl die empirische Beweislage bestenfalls unvollständig ist. Im Rekurs auf Arbeiten von Pierre Bourdieu und Jürgen Habermas wird argumentiert, dass die Art und Weise, wie die Akteure in politischen Debatten kommunikativ auf andere als „Autoritäten“ verweisen, eine Antwort auf die Frage liefert, inwieweit sich ein solcher Prozess politischer Denationalisierung tatsächlich abzeichnet. Das Papier illustriert den Mehrwert entsprechender Forschung zu „Autoritätskommunikation“ anhand einer Textanalyse von Debatten über die humanitäre Krise im Sudan/ Darfur. Texte aus sechs öffentlichen Foren werden vergleichend untersucht: zwei Parlamenten (US-Repräsentantenhaus, britisches Unterhaus), zwei „neuen Medien“ (CNN.com, BBC.uk) und zwei „klassischen“ Zeitungen (Guardian, New York Times). Angesichts unzuverlässiger Informationen hinsichtlich des Ausmaßes menschlichen Leids, dessen lokaler Kontexte und Ursachen, so wird argumentiert, ist die Völkergemeinschaft dringend auf glaubwürdige Informationen und Interpretationen angewiesen – Informationen darüber, was diese Ereignisse für sie selbst hinsichtlich ihrer eigenen Kapazitäten und Pflichten bedeuten. Internationale und nichtstaatliche Akteure werden so zu integralen Bestandteilen verschiedener politischer Arenen, zu epistemischen Autoritäten („Experten“), die den Mangel an ausreichendem Faktenwissen der Journalisten, Politiker und der Öffentlichkeit kompensieren. Darüber hinaus verleiht der Ruf humanitärer Organisationen als moralischem „Weltgewissen“ entsprechenden Appellen den Impetus einer autoritativen Definition von Verantwortung. Indem man die Art und Weise betrachtet, wie auf internationale Institutionen und Nichtregierungsorganisationen verwiesen wird, so die These, lässt sich deren Akkumulation an „symbolischer Macht“ untersuchen.

Date: 2007
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