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Sparen, Sparkultur und die neuen Wege der Geldpolitik

Georg Fahrenschon ()
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Georg Fahrenschon: Deutscher Sparkassen und Giroverband, Deutschland

Credit and Capital Markets, 2017, vol. 50, issue 2, 121-129

Abstract: Der Beitrag behandelt die Auswirkungen der expansiven Geldpolitik auf das Sparen und die Sparkultur. Dem Konstrukt der sogenannten Sparschwemme oder „savings glut“ als Erklärungsansatz niedriger Zinsen wird eine Absage erteilt. Gerade in Deutschland gibt es für das Sparen nach wie vor gute Gründe: Aufgrund der demographischen Entwicklung sind weniger Beitragszahler und geringere Renten in den staatlichen Systemen der Altersvorsorge zu erwarten. Durch die Geldpolitik fehlt darüber hinaus der Zinseszinseffekt bei der privaten Vorsorge. Deshalb ist gerade in Zeiten ohne Zins mehr Sparen besonders wichtig. Es gilt aber, das Sparaufkommen in rentable Investitionen zu lenken, damit es seine positive gesamtwirtschaftliche Wirkung entfalten kann. Der Umbau des Wirtschaftssystems, durch Energiewende, Klimaschutz, neue Infrastruktur, Digitalisierung und Industrie 4.0 zieht Investitionen nach, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern bleibt der Kapitalbedarf hoch. Insofern wird der Idee einer säkularen Stagnation nicht gefolgt. Ferner wird die Frage erörtert, ob die strukturellen Verschiebungen der europäischen Geldpolitik bis hin zu direkten Aktivitäten auf den Kapitalmärkten mit der marktwirtschaftlichen Ordnung noch vereinbar sind. Durch den Kauf von Unternehmensanleihen übernimmt die Notenbank unmittelbar die Feinsteuerung der Kapitalallokation, wodurch private Marktakteure verdrängt werden. Nicht zuletzt werden auch die Grenzen zwischen Geld- und Finanzpolitik verwischt. Darüber hinaus schädigt die Geldpolitik insbesondere Kleinsparer mit geringen Anlagebeträgen. Diese Gruppe kann in der Praxis kaum ihr bescheidenes Vermögen in verschiedene Anlageklassen diversifizieren. Das Negativbeispiel Japan zeigt, welche verheerenden Auswirkungen mit einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld und einem langfristigen Absinken der Sparquote verbunden sind. Wichtigstes Ziel der europäischen Wirtschaft- und Geldpolitik sollte es daher sein, das Vertrauen in eine gute Wirtschaftsordnung wieder herzustellen. Dies könnte auch ein entscheidender Beitrag für mehr Investitionen sein.

JEL-codes: E58 E43 G21 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2017
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