Energiepreisanstieg bremst – Finanzpolitik schiebt
Timo Wollmershäuser,
Lea Best,
Stefan Ederer,
Maximilian Fell,
Friederike Fourné,
Emilie Höslinger,
Felicitas Koch,
Robert Lehmann, Link, Sebastian Max Lay,
Anna Ruffert,
Moritz Schasching,
Tiphaine Wibault,
Lara Zarges,
Robert Lehmann () and
Max Lay ()
ifo Schnelldienst Digital, 2026, vol. 7, issue 8
Abstract:
Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat im vergangenen Winterhalbjahr an Fahrt gewonnen. Neben der ausgesprochen expansiven Finanzpolitik des Staates nahm auch die Exportwirtschaft Schwung auf. Der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöste kräftige Anstieg der Energiepreise schmälert jedoch die Kaufkraft der privaten Haushalte und bremst den privaten Konsum. Daher dürfte die Erholung im zweiten Quartal eine Pause einlegen und die Wirtschaftsleistung nur stagnieren. Für den weiteren Prognosezeitraum wird unterstellt, dass der Konflikt im Nahen Osten in den kommenden Wochen beigelegt wird und die Weltmarktpreise für Energie entsprechend den Erwartungen an den Terminmärkten allmählich wieder sinken. Zudem wird die Konjunktur in Deutschland durch die expansive Finanzpolitik im gesamten Prognosezeitraum kräftig angeschoben. Daher dürfte sich die Erholung der deutschen Wirtschaft ab dem dritten Quartal 2026 fortsetzen und sich bis zum Ende des Prognosezeitraums allmählich beschleunigen. Insgesamt wird das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im laufenden und im kommenden Jahr jeweils um 0,8% zunehmen. Im Vergleich zum Eskalationsszenario der ifo Konjunkturprognose vom Frühjahr 2026 wurde die Wachstumsrate für das laufende Jahr um 0,2 Prozentpunkte angehoben und für das kommende Jahr unverändert belassen. Zu dieser Aufwärtsrevision haben insbesondere die nun stärker eingeschätzten Auswirkungen der fiskalpolitischen Maßnahmen beigetragen. Die langfristigen Wachstumsperspektiven werden hingegen unverändert schlecht eingeschätzt. Sie leiden unter einer demografisch bedingten Verknappung des Arbeitskräfteangebots und einem nur geringen Anstieg der Arbeitsproduktivität. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte das Wachstum des Produktionspotenzials auf lediglich 0,1% sinken. Da diese Prognose stark von der Annahme einer Beilegung des Nahost-Konflikts abhängt, ist sie mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet. Strukturstärkende wirtschaftspolitische Reformen könnten die Aussichten jedoch positiv beeinflussen.
Date: 2026
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