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Die wirtschaftliche Entwicklung im Inland: Materialengpässe verzögern die wirtschaftliche Erholung

Torsten Schmidt, György Barabas, Niklas Benner, Boris Blagov, Maximilian Dirks, Niklas Isaak, Robin Jessen and Philip Schacht

RWI Konjunkturberichte, 2021, vol. 72, issue 3, 37-75

Abstract: Die deutsche Wirtschaft hat sich im Sommer 2021 weiter von den wirt- schaftlichen Folgen der Corona-Pandemie erholt. Im Zuge der Rückführung von Infek- tionsschutzmaßnahmen seit Mai stieg vor allem die Binnennachfrage deutlich. Zugleich bestehen weiterhin erhebliche Belastungen für die konjunkturelle Erholung. So ist die Corona-Pandemie weltweit nach wie vor nicht gebannt. Das verhindert, dass sich das globale Wirtschaftsleben vollständig normalisieren kann, da fortwährend Infektions- schutzmaßnahmen aufrechterhalten werden. Das größte Hindernis für die wirtschaftli- che Erholung hierzulande stellen derzeit Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorproduk- ten dar. Wenngleich verschiedene Ursachen zu den Engpässen bei Rohstoffen und Vor- produkten führen, dürften die meisten davon nur vorübergehend sein. Eine wichtige Folge dieser Materialknappheit ist, dass die Preise für diese Güter z.T. kräftig gestiegen sind. Dies wirkt über Erzeuger- und Großhandelspreise auf die Ver- braucherpreise durch, die aufgrund von Sondereffekten ohnehin derzeit so stark steigen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Allerdings sind auf den internationalen Märkten die Preise für einige Rohstoffe, wie Metalle und Holz bereits wieder gesunken. Bei vielen anderen Rohstoffen ist eine Abschwächung des Preisauftriebs allerdings noch nicht zu erkennen. Wir gehen davon aus, dass der Preisdruck mit der Erholung von der Corona- Pandemie nach und nach nachlässt. Für dieses Jahr erwarten wir im Jahresdurchschnitt eine Teuerungsrate von 3,0%. Im kommenden Jahr dürfte sie dann auf 2,4% und im Jahr 2023 auf 1,6% zurückgehen. Die gestiegenen Belastungen verzögern die Erholung von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Erholungskräfte überwiegen und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage kräftig ausgeweitet wird. Vor diesem Hintergrund erwarten wir für dieses Jahr eine Ausweitung des BIP von 3,5%. Für das kommende Jahr rechnen wir mit einem BIP-zuwachs von 4,9%. Auch bei dieser Prognose wird das Vor- krisenniveau zur Jahreswende erreicht. Im Jahr 2023 dürfte sich die Zuwachsrate des BIP wieder der Rate des Potenzialwachstums annähern. Im Jahresdurchschnitt erwarten wir daher einen Anstieg des BIP um 1,2%. Die Folgen der Corona-Krise am Arbeitsmarkt spiegeln sich weiterhin in der hohen An- zahl der Menschen in Kurzarbeit wider. Besonders im Bereich der Dienstleistungen wie etwa dem Gastgewerbe sanken die Kurzarbeiterzahlen in Folge der Lockerungen in den vergangenen Monaten deutlich. Insgesamt dürfte die Anzahl der Menschen in Kurzarbeit jedoch erst im Laufe des ersten Quartals 2022 wieder auf das Vorkrisenniveau sinken. Die Anzahl der Erwerbstätigen dürfte 2021 insgesamt etwa auf dem Niveau von 2020 liegen und in den Jahren 2022 und 2023 vom Aufschwung am Arbeitsmarkt getragen mit 1,5% bzw. 1,0% steigen. Das Defizit der öffentlichen Haushalte dürfte im Jahr 2021 gut 158 Mrd. Euro betragen und damit nochmals höher als das des Vorjahres (145 Mrd. Euro) sein. Im kommenden Jahr dürfte es auf 63 Mrd. Euro zurückgehen. Während die Staatseinnahmen im Zuge der wirtschaftlichen Erholung weiter steigen, dürften die Ausgaben zurückgehen. Im Jahr 2023 rechnen wir mit einem Finanzierungsdefizit von knapp 57 Mrd. Euro. Damit ist die Finanzpolitik nach der Maßnahmenmethode 2021 expansiv ausgerichtet und in den kommenden beiden Jahren restriktiv.

Date: 2021
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