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Strukturelle Krisen überwinden und verhindern

Marcus Sassenrath ()

Chapter 3 in Leadership in Krisenzeiten, 2026, pp 101-200 from Springer

Abstract: Zusammenfassung Strukturelle Krisen entstehen schleichend, wenn sich Umweltbedingungen kontinuierlich verändern und die Organisation nicht mehr angemessen darauf reagiert. Oft sind es überholte Strukturen und kulturelle Muster, die notwendige Veränderungen verhindern. Dabei müssen formale und informelle Strukturen unterschieden werden. Formale Strukturen sind die, über die offiziell entschieden wurde, z. B. Aufbauorganisation, Prozesse, Richtlinien, aber auch Gebäude, Software, Strategien. Die informelle Struktur – z. B. gelebte Praktiken, Netzwerke – entsteht dort, wo die formale Struktur nicht funktioniert oder Regelungslücken lässt. Sie ist somit Ausdruck der Selbstheilungskraft der Organisation. Die Aufgabe von Führung ist es, die Struktur so zu gestalten, dass die Vitalkompetenzen gestärkt werden und die Leistungsfähigkeit sichergestellt ist. Ob das gelingt, wird vor allem von der Kultur beeinflusst. Kultur – das stabile Muster der verhaltensprägenden Überzeugungen – bestimmt, ob erforderliche Veränderungen erfolgreich sein werden oder nicht. Dabei beschreibt das „Window of Change“ den Spielraum: also das, was kurzfristig veränderbar ist, weil es mit den kulturellen Werten kompatibel ist. Wenn das nicht reicht, um die Krise zu überwinden, muss die Kultur weiterentwickelt werden, denn dann verändert sich auch das Window of Change. Kulturveränderung ist möglich, aber nicht direkt und nicht schnell, sondern über Bande und mittel- bis langfristig. Die wirksamsten Hebel zur Kulturveränderung sind die Veränderung der Formalstruktur, die Mitarbeiterzusammensetzung, Vorbildverhalten von Schlüsselpersonen und „Moments that Matter“ – Situationen von hoher Sichtbarkeit und kulturprägender Wirkung wie Kündigungen, Beförderungen oder der Umgang mit Fehlern. Leadership bedeutet in diesem Kontext, die Organisation systematisch so weiterzuentwickeln, dass die Vitalkompetenzen hergestellt und Resilienz aufgebaut werden – nicht durch Appelle, sondern durch gezielte Veränderungen der Struktur und Weiterentwicklung der Kultur.

Date: 2026
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DOI: 10.1007/978-3-662-72690-7_3

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