Fundamentalentscheidungen bei unvollkommener Information: UMTS-Lizenzen ersteigern oder verweigern, übernehmen oder übernommen werden, Rentenwende oder -ende, Glaube oder Unglaube?
Reinhard Haupt () and
Armin Scholl ()
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Reinhard Haupt: University of Jena, Faculty of Economics
No 27/2004, Jenaer Schriften zur Wirtschaftswissenschaft (Expired!) from Friedrich Schiller University of Jena, School of of Economics and Business Administration
Abstract:
Unter Fundamentalentscheidungen verstehen wir Entscheidungen bzw. Entscheidungssituationen von existenzieller Wichtigkeit. Dabei stehen wenige grundlegende Handlungsalternativen zur Wahl, die sich jedoch erheblich in ihren Wirkungen unterscheiden. Es handelt sich im Unternehmensbereich um strategische Fragestellungen z.B. im Zusammenhang mit Mergers & Acquisitions, innerhalb eines Staates z.B. um die Frage nach der Gestaltung der Sozialversicherungssysteme oder die Entscheidung ber den Beitritt zur Eurozone und im persönlichen Bereich z.B. um die Berufs- und Partnerwahl oder um Glaubensentscheidungen. Bei derartigen Entscheidungen besteht in der Regel ein besonders krasses Missverhältnis zwischen der Bedeutung der Entscheidung und dem verfgbaren Informationsstand. Während eine solche Entscheidung große Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg, die Stabilität einer Gesellschaft oder das Lebensglück besitzt, sind die zur Beurteilung der möglichen Handlungsalternativen vorliegenden Informationen zumeist in hohem Maß unsicher, unvollständig und ungenau, d.h. hochgradig unvollkommen. Wir untersuchen und diskutieren grundsätzliche Entscheidungsansätze zur Bewertung von Alternativen unter den genannten Bedingungen. Dabei betrachten wir sowohl die in der entscheidungstheoretischen Literatur vorgeschlagenen Konzepte für die idealisierten Informationsstände "Ungewissheit" und "Risiko" als auch Ansätze für den allgemeineren und realistischeren Fall der unvollkommenen Information. Anschließend geben wir mit der Pascalschen Wette ein Beispiel für eine klassische Fundamentalentscheidung bei unvollkommener Information. Es handelt sich hierbei um die existenzielle Frage, ob ein Mensch an Gott glauben soll oder nicht, wenn er Unsicherheit sowohl ber die Existenz Gottes als auch die Konsequenzen des Glaubens bzw. Nichtglaubens besitzt. Für dieses Entscheidungsproblem stellte der berühmte Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal erste entscheidungstheoretische Überlegungen an, anhand derer man die Problematik von Fundamentalentscheidungen gut erkennen kann. Schließlich zeigen wir anhand der Versteigerung von UMTS-Lizenzen, anhand von Megafusionen und der Rentenreform, dass die Pascalsche Wette als ein Grundmodell typischer Fundamentalentscheidungen angesehen werden kann.
Keywords: Entscheidungstheorie; Unsicherheit; Unvollkommene Information; Strategische Entscheidung; Fundamentalentscheidung; Alternativenbewertung; Pascalsche Wette (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: C44 D81 J17 L20 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2004-11
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