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Räumliche Wirkungen der Globalisierung in Deutschland

Konrad Lammers

No 74, HWWA Discussion Papers from Hamburg Institute of International Economics (HWWA)

Abstract: Die Globalisierung ist ein raumwirtschaftlicher Prozeß. Ursache für diesen Prozeß ist das Sinken räumlicher Transaktionskosten in einem umfassenden Sinne. Dadurch geraten regionale Produzenten einerseits unter Wettbewerbsdruck durch Anbieter aus anderen (Welt-) Regionen, andererseits vergrößert sich aber auch prinzipiell ihr Marktgebiet. Globalisierung führt zu einem verstärkten Wettbewerb der Standorte. Der zunehmende Standortwettbewerb impliziert für räumliche Entwicklungsmuster einerseits, daß bestehende Konvergenz- oder Divergenzprozesse an Persistenz gewinnen. Andererseits können unter den Bedingungen der Globalisierung gute oder schlechte Standortpolitik und technische Neuerungen die Wachstumspfade einzelner Regionen nachhaltig ändern. Innerhalb Deutschlands sind Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Nordrhein- Westfalen durch den zunehmenden internationalen Güterhandel überdurchschnittlich stark in den Globalisierungsprozeß eingebunden. Die Globalisierung der Finanzmärkte hat sich insbesondere in Hessen mit dem Bankenzentrum Frankfurt ausgewirkt. Norddeutschland ist durch seine überdurchschnittliche Ausrichtung auf die Sektoren Handel und Verkehr, die Dienstleistungen für den Außenhandel erbringen, vom Globalisierungsprozeß tangiert. Deutlich geringer sind die unmittelbaren Auswirkungen der Globalisierung in den neuen Bundesländern. Die Internationalisierung von Unternehmen hat sich insbesondere über Direktinvestitionen vollzogen. Die deutschen Direktinvestitionen im Ausland stammen vor allem aus Süddeutschland. Norddeutsche und vor allem ostdeutsche Unternehmen engagieren sich demgegenüber deutlich weniger über Direktinvestitionen im Ausland. Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland konzentrieren sich auf Hessen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Abgesehen von Hessen treten damit die süddeutschen Länder als Zielregionen ausländischer Direktinvestitionen vergleichsweise wenig in Erscheinung. Die deutschen Unternehmen, die im Ausland mit Direktinvestitionen präsent sind, stammen zumeist aus großen Städten. Große westdeutsche Städte sind auch bevorzugte Investitionsstandorte ausländischer Unternehmen. Große Städte stellen räumlich gesehen die Schnittstellen der Globalisierung dar. Die adäquate Reaktion auf die Globalisierung ist gute Standortpolitik auf der nationalen, regionalen und lokalen Ebene. Eine Regionalpolitik, die die negativen Folgen der Globalisierung für bestimmte Regionen gezielt zu kompensieren sucht, ist nicht angezeigt. Um ausgleichspolitischen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, sind automatische Stabilisatoren (Finanzausgleich, soziale Sicherungssysteme) gegenüber einer diskretionären Politik von Vorteil. In einem verschärften Standortwettbewerb muß die Politik jede Möglichkeit nutzen, um Vorteile für den eigenen Standort zu erschließen, und dazu gehört auch, eine optimale Raumstruktur zu schaffen. Die Raumstruktur in Deutschland ist durch eine größere Anzahl von Verdichtungsgebieten gekennzeichnet und gilt im internationalen Vergleich als relativ ausgewogen. Diese Raumstruktur ist vermutlich ein Vorteil im Standortwettbewerb. Von einer Stärkung föderaler Elemente sind weitere Impulse für eine wettbewerbsfähige Raumstruktur zu erwarten. Die Bundesebene kann zu einer effizienten Raumstruktur beitragen, indem sie die Infrastruktur in solchen Regionen bereitstellt, wo sie im Verhältnis zum privaten Sach- und Humankapital am knappsten ist. In der Technologiepolitik sollte sich die Förderung auf solche Regionen konzentrieren, in denen Ansatzpunkte für einen selbsttragenden Wachstumsprozeß vorhanden sind, der aber des Anstoßes von außen bedarf.

Date: 1999
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