Beschäftigung, Auftragslage und Perspektiven im deutschen Schiffbau. Ergebnisse der Befragung der Betriebsräte im September 2003
Thorsten Ludwig and
Jochen Tholen
No 4/2004, IAW-Arbeitspapiere from Universität Bremen und Arbeitnehmerkammer Bremen, Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW)
Abstract:
Die in der letzten Schiffbaustudie prognostizierten negativen Entwicklungen für die Beschäftigung im deutschen Schiffbau bestätigen sich in der aktuellen Erhebung. Die tatsächliche Situation stellt sich jedoch deutlich schlechter dar als es noch im Vorjahr abzusehen war. Im Jahr 2003 hat sich die Beschäftigungslage auf den deutschen Werften in Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich verschlechtert. Während in den letzten Erhebungen jeweils ein Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Werftindustrie verzeichnet werden konnte, ist im Vergleich zum Vorjahr die Beschäftigung im Jahr 2003 um 5,1 Prozent gesunken. Im September 2003 arbeiteten nur noch 20.681 Menschen im deutschen Schiffbau. Auch die Zahl der Fertigungsstunden ist von 2001 auf 2002 um 23,5 Prozent gesunken. Für das Jahr 2003 muss von einem weiteren Rückgang ausgegangen werden. Die Beschäftigungssituation wird sich auch im nächsten Jahr voraussichtlich weiter verschlechtern. Nach gegenwärtigen Schätzungen muss mit einem weiteren Verlust von ca. 1.800 Arbeitsplätzen in 2004 (-8,7 Prozent) ausgegangen werden. Vier Werften befinden sich aktuell in einem Insolvenzverfahren. Auf diesen Werften sind aufgrund des ungewissen Ausgangs des Verfahrens akut 608 Arbeitsplätze in Gefahr. Für die ostdeutschen Werften wird die Situation in der internationalen Konkurrenz zunehmend kritischer, da die strengen Kapazitätsbeschränkungen weiterhin Bestand haben. Alle ostdeutschen Betriebsräte drängen auf eine Aufhebung dieser Regelungen. Vor dem Hintergrund der weltweit zu beobachtenden Konsolidierung in der wehrtechnischen Industrie zeichnet sich im Zusammenhang mit dem anstehenden Verkauf der HDW Werft auch eine Neustrukturierung des deutschen Marineschiffbaus ab. Der Ausgang dieses Prozesses wird entscheidend sein für die zukünftige Stellung des deutschen Marineschiffbaus innerhalb einer europäischen Rüstungsindustrie. Nach wie vor liegt ein zentrales Problem im globalen Wettbewerb, der durch die Preispolitik der koreanischen Werften stark verzerrt ist. Trotz der von der EU Kommission eingereichten Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) gegen Südkorea setzen die koreanische Regierung und die koreanischen Werften ihre offensive Kapazitätsausweitung verbunden mit einer Dumpingpreispolitik fort. Nach dem Scheitern des Welthandelsgipfels in Cancún ist eine außergerichtliche Entscheidung in dieser Sache in der nahen Zukunft nicht zu erwarten. Aufgrund der aggressiven Preispolitik südostasiatischer Werften haben die europäischen Werften weiter Marktanteile verloren. Ende 2002 konnten die EU Werften nur noch 7 Prozent der Marktanteile auf sich vereinen.
Date: 2004
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