Ökologische Eiererzeugung in Deutschland: Strukturen, Entwicklung und SWOT-Analyse entlang der Wertschöpfungskette
Heike Kuhnert,
Lisa Baldinger,
Helen Pluschke,
Petra Thobe,
Christina Veit,
Daniela Werner and
Stephanie Witten
No 289, Thünen Working Papers from Johann Heinrich von Thünen Institute, Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries
Abstract:
Ökologisch erzeugte Eier vom Huhn können als "Erfolgsprodukt" innerhalb der ökologischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland bezeichnet werden. Für Verbraucher sind Öko-Eier in fast allen Einkaufsstätten vom Discounter über den Naturkosthandel bis zur Direktvermarktung verfügbar. Der Anteil ökologisch erzeugter Eier an allen von den Privathaushalten eingekauften Eiern lag im Jahr 2024 bei knapp 14 Prozent, womit Eier das stärkste Einzelprodukt im Markt für tierische Öko-Lebensmittel waren. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Eiern wird ganz überwiegend aus heimischer Erzeugung gedeckt. Ökologisch gehaltene Hennen haben an allen deutschen Legehennen einen Anteil von annähernd 14 Prozent. Das vorliegende Thünen Working Paper enthält eine SWOT-Analyse der Branche "Öko-Legehuhn" in Deutschland (SWOT: Strengths = Stärken, Weaknesses = Schwächen, Opportunities = Chancen sowie Threats = Risiken), die auf vielfältigen eigenen Vorarbeiten des Autorinnenteams basiert. Wesentliche Ergebnisse der Analyse sind: * Stärken und Chancen: Stärken der Branche "Öko-Legehuhn" bestehen vor allem in einem hohen Tierwohlpotenzial und der Begrenzung von regionalen Nährstoffüberschüssen bei der Erzeugung in Regionen mit hohen Viehbesätzen. Die ökologische Eiererzeugung ist gegenüber anderen Verfahren der Freilandhaltung wettbewerbsfähig und in einen wachsenden Markt für Eier und Hühnerfleisch eingebettet. Das positive Image des Ökolandbaus insgesamt und speziell von Öko-Eiern und Fleisch vom Öko-Huhn macht die Sortimente für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zur eigenen "grünen" Profilierung interessant. Vor diesem Hintergrund stellen das zunehmende Interesse des LEH am Ausbau dieser Sortimente ebenso wie eine stärkere Ausrichtung der Essensangebote in der Außer-Haus-Verpflegung im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte Chancen für die Branche dar. * Schwächen und Risiken: Als Schwächen der Branche "Öko-Legehuhn" sind auf Ebene der landwirtschaftlichen Erzeugung hohe Managementanforderungen und hohe Produktionskosten zu benennen. Die bedarfsgerechte Fütterung von hochleistenden Legehennen, die auch im Ökolandbau überwiegend zum Einsatz kommen, ist eine Herausforderung, ebenso die Vermeidung von ähnlichen Tierwohlproblemen wie in der konventionellen Haltung. Die Umsetzung regionaler Vermarktungskonzepte für Althennen und Masthühner ist für kleine und mittlere Haltungen aufgrund einer hohen Konzentration der Schlachtstätten und einem insgesamt geringen Angebot an mobilen Schlachtstätten erschwert. Risiken werden vor allem in einer hohen Abhängigkeit der ökologischen Erzeugung von globalen Zuchtunternehmen mit Fokus auf leistungsbetonten Legelinien und einem Vertrauensrisiko bei den Konsumenten durch Skandale und kritische Berichterstattung zur Tierhaltung im ökologischen Landbau gesehen. Hinzu kommt die bestehende Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und vorhandener Zahlungsbereitschaft für höherpreisige Produkte. * Entwicklungspotenzial und Handlungsbedarf: Das zunehmende Engagement der Discounter im Sortimentsbereich "Öko-Lebensmittel" stellt gemeinsam mit der Tatsache, dass bereits drei Viertel der Einkäufe von ökologisch erzeugten Eiern im Lebensmitteleinzelhandel getätigt werden, eine Chance auf einen weiteren Ausbau der Produktion und Vermarktung von Öko-Eiern dar. Die zu beobachtende Ausweitung der deutschen Erzeugung bei entsprechenden Marktsignalen ist ein Anzeichen für Rentabilität. Handlungsbedarf besteht vor allem im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Haltungs- und Managementsystemen im Hinblick auf ein hohes Tierwohl und von bedarfsgerechten Fütterungskonzepten mit Komponenten, die zu 100 Prozent aus ökologischer Erzeugung stammen. In Bezug auf das Thema regionale Wertschöpfungsketten besteht Handlungsbedarf hinsichtlich einer Verbesserung der Datenlage in diesem Bereich (Schlachtstätten, Handwerksbetriebe) und hinsichtlich des Ausmaßes der tatsächlich negativ von fehlenden Angeboten betroffenen Regionen, Betriebe und Tierbestände. Unabhängig davon sollte eine Überprüfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für kleinere und mobile Schlachtstätten mit dem Ziel möglicher Erleichterungen erfolgen. Generell besteht eine Zukunftsaufgabe der Branche "Öko-Legehuhn" darin, die Ressourceneffizienz der pflanzlichen und tierischen Erzeugung weiterzuentwickeln und sich offensiver als bislang den Themen Nachhaltigkeitsanalyse und Treibhausgas-Fußabdruck zu stellen.
Keywords: Öko-Markt; ökologische Eiererzeugung; SWOT-Analyse; Öko-Legehuhn; Bruderhahn; Organic market; organic egg production; SWOT analysis; organic laying hens; brother roosters (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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DOI: 10.3220/253-2026-112
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