Reine Versprechen? Transparenzversprechen in globalen Goldlieferketten auf dem Prüfstand
Karin Küblböck
No 39, Briefing Papers from Austrian Foundation for Development Research (ÖFSE)
Abstract:
Gold gilt als Inbegriff von Reinheit, Sicherheit und Beständigkeit. Gleichzeitig sind seine Gewinnung und Verarbeitung vielfach mit problematischen Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung, Landkonflikten, Informalität und gewaltsamen Konflikten verbunden. Vor diesem Hintergrund haben sich im Goldsektor in den letzten zwei Jahrzehnten verschiedene Regulierungsansätze und private Standards herausgebildet, die Transparenz schaffen und Vertrauen in globale Goldlieferketten herstellen sollen. Das vorliegende Briefing Paper gibt einen Überblick über den globalen Goldsektor und untersucht anschließend das Spannungsverhältnis zwischen Transparenzversprechen und struktureller Intransparenz im Goldsektor, mit Schwerpunkt auf den Standards der London Bullion Market Association (LBMA). Es zeigt, dass Transparenz nicht als umfassende Offenlegung konkreter Lieferketten verstanden wird, sondern als Nachweis standardisierter Verfahren, während zentrale Informationen über Herkunft und Handel verborgen bleiben. Auf dieser Grundlage argumentiert das Paper, dass private Standards und Sorgfaltspflichten zwar wichtige Fortschritte gegenüber früherer Nichtregulierung darstellen, zugleich aber eine Fiktion von Transparenz erzeugen. Sie produzieren ein Bild verantwortungsvollen Goldes und verschieben den Fokus von den materiellen Bedingungen des Goldsektors auf die formale Nachweisbarkeit von Verfahren. So wird Verantwortlichkeit suggeriert, ohne die strukturellen Probleme des Goldsektors substanziell zu adressieren.
Keywords: Gold; Goldlieferketten; London Bullion Market Association; Due Diligence; Standards; Transparenz; Rohstoffgovernance (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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DOI: 10.60637/2026-bp39
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