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Mindestlöhne in Deutschland: Beschäftigungswirkungen und fiskalische Effekte

Ronald Bachmann, Thomas Bauer (), Jochen Kluve, Sandra Schaffner and Christoph Schmidt

No 43, RWI Materialien from RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Abstract: In Deutschland wird bereits seit einiger Zeit eine lebhafte Debatte um die Einführung von Mindestlöhnen geführt. Kritiker des Mindestlohns verweisen insbesondere auf zu erwartende erhebliche Beschäftigungsverluste durch Einführung einer Lohnuntergrenze, Befürworter dagegen argumentieren mit erhöhter Kaufkraft der Arbeitnehmer bei gleichbleibender oder gar erhöhter Beschäftigung durch eine Reduzierung der Marktmacht von Arbeitgebern. Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie stützt das erstgenannte Argument, die Theorie des monopsonistischen Arbeitsmarktes das letztgenannte, so dass auf rein theoretischer Basis eine eindeutige Vorhersage der Wirkungen eines Mindestlohns nicht möglich ist. Daher wird in der Debatte oft auf empirische Studien aus anderen Ländern verwiesen, in denen Mindestlöhne bereits in Kraft sind. Obwohl die Mehrzahl dieser Studien Evidenz für Beschäftigungsverluste findet, sind die Ergebnisse uneinheitlich und insbesondere aufgrund des jeweils spezifischen Arbeitsmarktkontextes nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar. Für Deutschland selbst existieren an wissenschaftlichen Arbeiten bislang nur eine Studie zum Mindestlohn im Baugewerbe sowie einige Simulationsrechnungen zu Auswirkungen von Lohnuntergrenzen. Die vorliegende Arbeit ergänzt die bisherigen Erkenntnisse zu Mindestlöhnen in Deutschland wesentlich und bringt neue Ergebnisse in die Debatte ein. Dies erfolgt in zwei zentralen Schritten. Zum einen liefert der Beitrag eine detaillierte Analyse der Auswirkungen verschiedener Mindestlohnhöhen auf die Beschäftigung einzelner Arbeitnehmergruppen sowie die öffentlichen Finanzen. Diese Simulationsrechnungen basieren dabei im Gegensatz zur existierenden Literatur in Deutschland nicht schlicht auf gesetzten Annahmen, sondern auf ökonometrisch geschätzten Arbeitsnachfrageelastizitäten. Die dergestalt ermittelten Beschäftigungseffekte verbinden wir mit den Auswirkungen auf Einkommensteueraufkommen, Sozialversicherung, Unternehmenssteuer und Transferleistungsbezug (ALG I, ALG II, sowie Aufstocker), um so die gesamten fiskalischen Effekte potenzieller Mindestlohnregelungen abzubilden. In einem zweiten Schritt ergänzen wir diese Analyse durch eine aktuelle Unternehmensbefragung in acht Branchen: Friseurhandwerk, Wachgewerbe, Kfz-Handwerk, Einzelhandel (Herrenausstatter), Floristik, Sanitärtechnik, Großhandel (Baumärkte), und Gaststätten Neben der Einschätzung von Mindestlohnregelungen steht hierbei insbesondere die Frage im Vordergrund, welche Auswirkungen auf betrieblicher Ebene durch Lohnuntergrenzen zu erwarten sind.

Date: 2008
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