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Mindestlöhne ohne Reue - eine aussichtsreiche Option für Deutschland?

Jochen Kluve and Christoph Schmidt

No 22, RWI Positionen from RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Abstract: Die Debatte um eine Einführung von Mindestlöhnen wird zunehmend vehement geführt. Und obwohl die Auseinandersetzung inzwischen als Prüfstein für die Stabilität der Großen Koalition und als Vorbote des anstehenden Wahlkampfes interpretiert wird, so ist doch andererseits die inhaltliche Diskussion keineswegs zum Erliegen kommen. Dies mag auch daran liegen, dass stichhaltige wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen eines Mindestlohns in Deutschland bislang nicht existierten. So konnten Befürworter einer gesetzlichen Lohnuntergrenze bisher lediglich darauf verweisen, dass Mindestlöhne in anderen Volkswirtschaften keinen nachweislichen Schaden angerichtet haben. Gegner des Mindestlohns hatten mit diesem Argument aber leichtes Spiel, weil die untersuchten ausländischen Arbeitsmärkte gleichzeitig eine geringere Regulierungsdichte und weniger Dauerarbeitslosigkeit als der deutsche Arbeitsmarkt aufweisen. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse steht daher auf tönernen Füßen. Eine ernsthafte ökonomische Rechtfertigung für die Einführung von Mindestlöhnen ließ sich aus den bisher veröffentlichen Studien nicht ableiten. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden: Marion König und Joachim Möller haben die erste empirische Studie für Deutschland vorgelegt, die ein modernes ökonometrisches Instrumentarium für die Analyse von Individualdaten einsetzt und damit das seit zehn Jahren bestehende Entsendegesetz in der Bauwirtschaft auf seine Beschäftigungswirkungen überprüft.2 Im Osten der Republik, wo der Mindestlohn erheblich in die Lohnstruktur eingegriffen hat, finden die Autoren zwar erhebliche Beschäftigungsverluste. Für Westdeutschland ermitteln die Autoren hingegen einen positiven Effekt auf die Weiterbeschäftigungswahrscheinlichkeit der vom Mindestlohn direkt oder indirekt betroffenen Arbeitergruppe. Sollte dieses Ergebnis sachverständige Ökonomen dazu bewegen, ihren Widerstand gegen die Einführung weiterer Mindestlöhne aufzugeben? Die Antwort lautet eindeutig Nein. Denn den Autoren ist bei der Anwendung des modernen methodischen Instrumentariums ein gewaltiger Denkfehler unterlaufen.

Date: 2007
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