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Untersuchung des Einflusses von Hitze auf Morbidität

Sonja Schillo, Ann-Kathrin Richter and Juergen Wasem

No 229, IBES Diskussionsbeiträge from University of Duisburg-Essen, Institute of Business and Economic Studie (IBES)

Abstract: Klimaforscher prognostizieren als eine Folge des Klimawandels intensivere und länger andauernde Hitzeepisoden. Dies gilt auch für Deutschland, wenn auch unterschiedlich stark für unterschiedliche Regionen. Hitze und vor allem länger andauernde Hitzewellen haben einen Einfluss auf den menschlichen Organismus. Der Einfluss auf die Mortalität ist international und auch für Deutschland bereits eingehender untersucht worden. Der Einfluss auf die Morbidität ist hingegen insbesondere für Deutschland erst selten Untersuchungsgegenstand gewesen. Ziel dieses Projektes war die Untersuchung des Einflusses von Hitze auf Morbidität, die Identifikation besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen und von in ihre Versorgung eingebundenen Leistungserbringern. In einem ersten Schritt wurde über eine systematische Literaturrecherche der Stand der Forschung ermittelt. Hierauf aufbauend wurde eine Operationalisierung der Begriffe "Hitze" und "Morbidität" vorgenommen. Für die empirischen Untersuchungen standen Leistungsdaten zu Krankenhausaufnahmen, ambulanten Arztkontakten und Rettungsdiensteinsätzen sowie Diagnosedaten der AOK Rheinland/Hamburg von ca. 1,35 Mio. Versicherten zur Verfügung. Als Indikator für Morbidität wurde die Inanspruchnahme während einer Hitzewelle im Sommer 2015 verwendet und zwei Vergleichszeiträumen gegenübergestellt. Unterschiede wurden mittels T-Test geprüft. Faktoren, die eine Inanspruchnahme unter Hitze begünstigen, wurden mittels logistischer Regression ermittelt. Gegenüber den Vergleichszeiträumen kann in allen Leistungsbereichen eine signifikant erhöhte Inanspruchnahme im Hitzezeitraum festgestellt werden, die sich nach Regionen und Leistungsarten unterscheidet. Eine Änderung der Rangfolge der häufigsten Hauptdiagnosen bei Krankenhausaufnahmen weist auf veränderte Morbidität hin. Neben demografischen Faktoren erhöhen Arztkontakte, Krankenhausaufnahmen und Taxi-Krankenfahrten vor der Hitzewelle sowie einige ambulante Diagnosen die Chance einer Inanspruchnahme. Insbesondere sind Menschen mit Mukoviszidose, chronischer Hepatitis oder psychischen Problemen betroffen. Je höher die Pflegestufe ist, desto höher ist auch das Risiko einer Inanspruchnahme. Hauptsächlich in die Versorgung einbezogen sind Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und −ärzte der Diabetologie und Nephrologie. Die Ergebnisse sind durch den Regionalbezug und die kurzen Hitze- und Vergleichszeiträume nur eingeschränkt übertragbar.

Date: 2019
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