Finanzierung von Glasfaser ausbauenden Unternehmen: Wer ist wie stark von den aktuellen Herausforderungen betroffen?
Julian Knips,
Christian Wernick and
Menessa Ricarda Lachmann
No 543, WIK Discussion Papers from WIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH
Abstract:
Der flächendeckende Glasfaserausbau in Deutschland stellt eine große finanzielle Herausforderung für die ausbauenden Unternehmen dar. Neben dem initialen Ausbau, für den in den kommenden Jahren Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe benötigt werden, wird auch die Nachverdichtung bestehender Netze, die größtenteils als Homes Passed ausgebaut wurden, mehrere Milliarden Euro an Investitionsmitteln erfordern. Finanzierungsmöglichkeiten und -konditionen rücken vor diesem Hintergrund zunehmend ins Zentrum der Diskussionen innerhalb der Glasfaserbranche. In einer sowohl gesamtwirtschaftlich, als auch branchenspezifisch anspruchsvollen Gesamtsituation findet sich eine Reihe von Marktteilnehmern in der Situation wieder, investive Mittel für Refinanzierungen sowie die Fortführung bestehender und die Initiierung neuer Projekte einwerben zu müssen. Die Herausforderungen, die sich aus dem gestiegenen Zinsniveau und der Zurückhaltung von Investoren im Hinblick auf Investitionen in den Glasfaserausbau ergeben, betreffen nicht alle Unternehmen bzw. Unternehmensformen in gleichem Umfang. Große börsennotierte Unternehmen, die sich insbesondere über Anleihen finanzieren, sind weniger zinssensibel und oft langfristig finanziert. Zudem finanzieren sie sich bei entsprechender Bonität im Branchenvergleich relativ günstig und können über Anleihenplatzierungen am öffentlichen Kapitalmarkt Mittel von einer Vielzahl von Investoren akquirieren. Stadtwerke und Energieversorger sind in ihren Glasfaseraktivitäten von den Problemen zwar betroffen, jedoch erscheint der Erhalt von Finanzierungen hier als nicht übermäßig kritisch. Als diversifizierte Unternehmen mit oftmals stabilen Cashflows können sie in der Regel Unternehmensfinanzierungen in Anspruch nehmen und haben im Falle von Stadtwerken einen öffentlichen Sicherheitengeber im Hintergrund. Hier steht der kapitalintensive Glasfaserausbau allerdings in einer Mittelverwendungskonkurrenz zur Finanzierung der Energie- und Wärmewende, was die Finanzierungsbedingungen perspektivisch erschweren könnte. Kritisch kann sich die Situation für investorenfinanzierte Unternehmen darstellen. Da ihr Fremdkapital meist aus Projektfinanzierungen stammt, sehen sie sich mit deutlich kürzeren Kreditlaufzeiten und höheren Zinsen als börsennotierte Unternehmen oder Stadtwerke und Versorger konfrontiert. Einige von ihnen müssen aktuell zusätzlich ihre initialen Darlehen aus den späten 2010er Jahren refinanzieren. Während das gestiegene Zinsniveau für die Glasfaserunternehmen als exogener Schock angesehen werden kann, liegt die Zurückhaltung der Fremdkapitalgeber, insbesondere im Bereich der Projektfinanzierung, nicht ausschließlich, aber in hohem Maße an der Kombination aus (zu hohen) Ausbaukosten und (zu niedrigen) Take-up-Raten bzw. Cashflows. Mutmaßlich sind die tatsächlichen Zahlen in vielen Fällen schlechter als die den Businessplänen zugrundeliegenden Annahmen. Sollten Investoren, sowohl im Eigen- wie auch im Fremdkapitalbereich, noch zurückhaltender werden, droht eine Negativspirale: Höhere Take-up-Raten in den HPAusbaugebieten, die die Finanzierung erleichtern bzw. die Zinsen reduzieren würden, bedingen Kapitalzuflüsse für Nachverdichtungs- und Vermarktungsmaßnahmen, so dass sich negative Effekte immer weiter zu verstärken drohen, wenn Unternehmen ihren Ausbau ohne zusätzliche Mittel nicht vervollständigen können, Investoren aber nur zusätzliche Mittel bereitstellen wollen, wenn sich die Geschäftszahlen der Unternehmen wieder verbessern. All dies könnte die Ausbaudynamik im deutschen Glasfasermarkt in den nächsten Jahren spürbar reduzieren, kurzfristig insbesondere im Ausbau von Wettbewerbern. Mittelfristig könnte dies durch den niedrigeren Wettbewerbsdruck aber auch eine Verlangsamung der Ausbauaktivitäten der Deutschen Telekom nach sich ziehen. Im Ergebnis besteht die Gefahr, dass die politisch definierten Breitbandziele verfehlt werden. Risikoabsorbierende staatliche Maßnahmen, wie insbesondere Programme für (Teil- )Bürgschaften oder eine Ausweitung ggf. nachrangiger Kreditmengen von Förderbanken für Glasfaserprojekte, könnten helfen, die Finanzierungssituation zu verbessern, bedürfen jedoch einer punktgenauen Ausgestaltung. Auch Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Take-up-Raten auf FTTH-Netzen zu erhöhen und/oder die Ausbaukosten zu senken, können die Finanzierungsmöglichkeiten der im FTTH-Ausbau engagierten Unternehmen verbessern. Hierzu zählen z.B. eine klar geregelte, zeitnahe Kupfer-Glas-Migration und die Beschleunigung und Digitalisierung von Genehmigungsprozessen.
Keywords: Glasfaserkommunikation; Deutschland (search for similar items in EconPapers)
Date: 2025
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