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Digitalisierung im Gesundheitswesen: Status quo, Herausforderungen, und Folgen für die Arbeitsbedingungen

Christine Gerber

Discussion Papers, Research Group Globalization, Work, and Production from WZB Berlin Social Science Center

Abstract: Die vorliegende Studie identifiziert die zentralen Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen, untersucht deren Umsetzungsstand und Herausforderungen und analysiert, inwiefern sie zu einer Entlastung der Beschäftigten beitragen. Die Untersuchung basiert auf qualitativen Daten aus Expert*inneninterviews und Fallstudien in vier Krankenhäusern sowie einem ambulanten Pflegedienst zwischen 2020 und 2022. Die erste Forschungsfrage befasst sich mit den konkreten Technologien und Anwendungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die digitale Dokumentation das zentrale Digitalisierungsprojekt darstellte. In den Krankenhäusern zeigten sich dabei grundlegende technische und organisationale Herausforderungen, insbesondere bezüglich technischer Interoperabilität und organisationalen Prozessanpassungen. Beim ambulanten Pflegedienst war die Umstellung weniger komplex und hing vorrangig an regulatorischen Hürden von Seiten der Kranken- und Pflegekassen. Die Befunde zeigten auch einen Gap zwischen den allgemeinen Erwartungen an (KI-gestützte) Assistenzsysteme und Robotik einerseits und den realen Bedarfen und graduellen Einführungsprozessen in der Praxis andererseits. Schließlich fanden sich in den Fallstudien auch interessante Suchbewegungen im Bereich der digitalen bzw. virtuellen Kommunikation. Insbesondere der Kommunikationsaufwand mit Patient*innen sollte so reduziert werden. Die zweite Forschungsfrage befasst sich mit den Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. In den Fallstudien zeigten sich ambivalente Effekte. So wurde zugleich von einer Arbeitsreduktion als auch von einer Mehrarbeit durch die digitale Dokumentation berichtet. Darüber hinaus zeigten sich weitere Belastungen jenseits der Arbeitsmenge. So konfligierten die digital-formalen Arbeitsabläufe stellenweise mit den informellen Arbeitsroutinen und reduzierten Handlungsspielräume für die Beschäftigten. Zudem erhöhte die digitale Transparenz laut einigen Befragten die Sorgen vor individueller Sichtbarkeit und Leistungskontrolle bei Teilen der Beschäftigten. Die Studie unterstreicht, dass Digitalisierung kein Selbstläufer für eine Entlastung im Gesundheitswesen ist. Für das Gelingen sind finanzielle und personelle Ressourcen erforderlich. Wichtig ist, dass Digitalisierungsstrategien und -anwendungen nahe an den Bedarfen und Praktiken der Beschäftigten entwickelt und eingeführt werden. In einem ohnehin überlasteten System stellt sich dies als Herausforderung dar.

Keywords: Digitalisierung; Krankenhaus; Pflege; Gesundheit; KI; Entlastung; Belastung; KHZG (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: H51 I18 J24 J53 O33 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2025
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Page updated 2025-03-22
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