Die Konkurrenz um wirtschaftliche Dominanz: Wie kann sich Europa zwischen den USA und China positionieren?
Doris Fischer
ifo Schnelldienst, 2019, vol. 72, issue 22, 03-21
Abstract:
Chinas Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft hat die globalen Kräfteverhältnisse in den letzten Jahren verändert. Findet eine Verschiebung der globalen Dominanz von West nach Ost statt? Welche Möglichkeiten hat Europa, sich zwischen den USA und China zu positionieren? Nach Ansicht von Antonia Reinecke, FernUniversität Hagen, stellt sich für Europa nicht die Frage nach einer einseitigen Positionierung. Die EU sollte vielmehr als Gegengewicht zu beiden Ökonomien agieren und ihre Potenziale als Initiator technologischer Innovationen und weiterer internationaler Integration ausbauen. Doris Fischer, Universität Würzburg, empfiehlt »wechselnde Allianzen für verschiedene Ebenen«. Inzwischen reiche der Konflikt zwischen den USA und China weit über Handelsfragen hinaus und beinhalte ebenso das gesellschaftliche Werte- und das politische System. Deshalb brauche Europa eine selbstbewusste Mehrebenenstrategie zur »Navigation durch den Wettbewerb der USA und Chinas«. Als die größte Herausforderung, diese umzusetzen, könnte sich der Umgang mit Informationen, der öffentlichen Meinung und sozialen Netzwerken erweisen. Derzeit sei ein Kampf um die Meinungshoheit zu beobachten, in dem »von beiden Seiten die Propagandaregister gezogen werden«. Nils Ole Oermann, Leuphana Universität Lüneburg, und Hans-Jürgen Wolff sehen die Zukunft Europas darin, ein »Kollektivsubjekt« zu werden und als ein Akteur in der Weltwirtschaft und Weltpolitik die Prinzipien der europäischen Integration – Rechtlichkeit, Fairness, sozialen Ausgleich und Solidarität – zu vertreten. Xuewu Gu, Universität Bonn, sieht Europas Zukunft »weder im Ausbau der Juniorpartnerschaft mit den USA noch im Kuschelkurs mit China«. Auf weltpolitischer Ebene wäre es für Europa optimal, wenn Brüssel die gleiche Rolle wie Washington und Beijing spielen würde. Um die beiden Weltmächte in diese Richtung zu bewegen, brauche Europa allerdings eine wirkungsvolle Hebelkraft. Diese Kraft könnte sich entfalten, wenn Europa es wagen würde, den Weg einer »Äquidistanz« zwischen Beijing und Washington einzuschlagen. Margot Schüller, GIGA Institut für Asien-Studien, Hamburg, sieht in der Förderung und dem Ausbau von Forschung und Innovation Europas Weg zur Stärkung seiner Position im Konflikt zwischen den USA und China.
Keywords: Handelskonflikt; Außenhandel; Internationale Handelsbeziehungen; Europa; USA; China (search for similar items in EconPapers)
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Date: 2019
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