Konsumstau, höhere Energiepreise, lockere Geldpolitik: Droht nach Corona die große Inflation?
Markus Demary,
Timo Wollmershäuser,
Gerit Vogt,
Gertud R. Traud,
Stefan Mütze,
Thomas Mayer,
Pascal Seiler,
Lukas Haffert,
Nils Redeker and
Tobias Rommel
ifo Schnelldienst, 2021, vol. 74, issue 09, 03-26
Abstract:
Markus Demary, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, geht davon aus, dass die höheren Inflationsraten auf vorübergehende Effekte zurückzuführen sind. Auch die Konjunkturprogramme hätten bisher nicht inflationär gewirkt. Zudem könnte nach vielen Jahren niedriger Inflation ein Anstieg der Inflationserwartungen auch als Zeichen einer sich erholenden Wirtschaft gewertet werden. Timo Wollmershäuser, ifo Institut, zeigt, dass der Preisauftrieb 2021 zum größten Teil auf außergewöhnlich niedrige Preise im Jahr 2020 zurückzuführen ist. Allerdings könne auch ein gewisser Teil des Preisschubs durch einen beschleunigten Preisanstieg, insbesondere bei Energie, Nahrungsmitteln und in einigen Dienstleistungsbereichen, erklärt werden. Die Inflationsrate dürfte somit im Durchschnitt des Jahres 2021 bei etwa 3% und 2022 bei durchschnittlich 2 bis 2,5% liegen. Auch Gerit Vogt, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, sieht die aktuelle Entwicklung stark durch Sonderfaktoren, wie das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung Ende 2020, beeinflusst. Mittelfristig sei eine Beruhigung wahrscheinlich, aber es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Preisauftrieb in den kommenden Jahren, unter anderem aufgrund des demografischen Wandels, stärker zunehmen werde. Nach Ansicht von Gertud R. Traud und Stefan Mütze, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, ist kurzfristig keine übermäßig starke Inflation zu erwarten. Mittelfristig dürften allerdings strukturelle Faktoren zu höheren Preisen führen. Zudem dürften auch konjunkturelle Aspekte und die Bekämpfung des Klimawandels zu mehr Inflation beitragen. Insgesamt seien die preistreibenden Effekte zwar in der Überzahl, aber es drohe vermutlich nicht die ganz große Inflation. Thomas Mayer, Flossbach von Storch Research Institute, verweist darauf, dass eine ungezügelte Geldvermehrung sehr oft zu Inflation geführt hat. Die Ausweitung der Geldmenge, gerade im Zuge der Corona-Pandemie, habe einen erheblichen Geldüberhang zur Folge. Dass die Kaufkraft des Geldes fallen müsse, wenn es mehr Geld als käufliche Dinge gibt, leuchte jedem ein. Pascal Seiler, ETH Zürich, untersucht am Beispiel der Schweiz, wie sich das durch die Pandemie veränderte Konsumverhalten auf die Messung der Inflation ausgewirkt hat. Die Inflation wurde im ersten Pandemiejahr tendenziell unter- und am aktuellen Rand eher überschätzt. Lukas Haffert, Universität Zürich, Nils Redeker, Jacques Delors Centre, und Tobias Rommel, Hochschule für Politik, Technische Universität München, zeigen auf Basis einer repräsentativen Umfrage, dass die deutsche Erinnerung an die Weimarer Republik von einem weitgreifenden Missverständnis geprägt ist: Nur wenige Deutsche wissen, dass das Preisniveau während der Weltwirtschaftskrise sank. Stattdessen verbindet fast die Hälfte der Befragten die Massenarbeitslosigkeit der frühen 1930er Jahre mit massiven Preissteigerungen.
Keywords: Inflation; Geldpolitik (search for similar items in EconPapers)
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Date: 2021
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