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Effizienz der deutschen Sparkassen in Zeiten von Niedrigzins und Digitaler Transformation

Oliver Guido Thiem

Publications of Darmstadt Technical University, Institute for Business Studies (BWL) from Darmstadt Technical University, Department of Business Administration, Economics and Law, Institute for Business Studies (BWL)

Abstract: Das Umfeld, in dem Sparkassen als regionale Kreditinstitute agieren, wird zunehmend herausfordernder. Der gesamte Finanzsektor befindet sich in einer massiven Transformation und stellt traditionelle Kreditinstitute vor nachhaltige Herausforderungen. Der deutsche Sparkassensektor hat als eine zentrale Säule der deutschen Kreditwirtschaft eine hohe Bedeutung und unterliegt seit Jahrzehnten strukturellen Änderungen. Die Institute lancieren zunehmend zwischen Ertragserosion und Kostendruck. Betriebswirtschaftliche Leistungsfähigkeit und damit auch effizientes Wirtschaften gewinnt an Bedeutung, auch weil diese Dimensionen unabdingbare Voraussetzungen sind, um die Aufgaben aus dem öffentlichen Auftrag, welcher Sparkassen von anderen Bankensektoren abgrenzt und letztlich ihre Daseinsberechtigung im Markt darstellt, wahrnehmen zu können. Diese Dissertation widmet sich der produktionsökonomischen Effizienz der deutschen Sparkassen im Zeitraum 2009–2018. Aufbauend auf einer umfassenden Systematisierung der Forschungsergebnisse der vergangenen ~25 Jahre werden drei Schwerpunktthemen im Rahmen von separaten empirischen Studien auf Basis der nicht-parametrischen Effizienzmessung mittels der Data Envelopment Analysis (DEA) bearbeitet. Studie 1 analysiert die produktionsökonomische Effizienz mittels der Data-Envelopment-Analysis für den Zeitraum 2009–2018 unter Berücksichtigung interner effizienzbeeinflussender Faktoren. Die Ergebnisse belegen, dass die technische Effizienz der Primärinstitute weiter gesunken ist. Hingegen hat sich die Kosteneffizienz im Beobachtungszeitraum im Gegensatz zu bisherigen Effizienzstudien merklich verbessert. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Sparkassen negative Effekte aus der Produktivität durch ein effizienteres Faktorpreis- bzw. Kostenmanagement kompensiert haben. Trotz dieses Umkehrtrends wird aber auch deutlich, dass weiterhin teils erhebliche Ineffizienzen im Sektor vorhanden sind und die Divergenz zwischen effizienten und weniger effizienten Sparkassen zunimmt. Studie 2 analysiert den Einfluss von externen Umfeldfaktoren auf die Effizienz unter Berücksichtigung von Betriebsgrößeneffekten. Der Einfluss von Umfeldfaktoren auf die Effizienz von regionalen Kreditinstituten wie Sparkassen und Kreditgenossenschaften hat in den vergangenen Jahrzehnten in der Forschung eine hohe Aufmerksamkeit erfahren. Wirkungszusammenhänge wurden primär mittels traditioneller Clusteranalysen bzw. ein- und zweistufiger OLS- oder Tobit-Regressionsmodelle analysiert. Die Geeignetheit dieser Methoden bei nicht-parametrischen Effizienzstudien wird trotz ihrer hohen Dominanz in der Wissenschaft sehr kontrovers diskutiert. So bestehen methodische Probleme, die zu fehlgeleiteten Aussagen führen können. Zentrales Element der Schätzstrategie ist ein zweistufiger Algorithmus mit doppeltem, sequenziellem Bootstrapping unter Anwendung eines trunkierten Regressionsmodells. Die empirischen Schätzergebnisse belegen die Relevanz der Bevölkerungsdichte und des Wettbewerbs für die Effizienz. Es konnte der in der Wissenschaft dokumentierte positive Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsdichte und der Kosteneffizienz nachgewiesen werden. Die Ergebnisse belegen die Gültigkeit einer Stadt-Land-Dichotomie unabhängig von der Betriebsgröße. Eine neue Erkenntnis ist, dass zwischen Wettbewerbsintensität und technischer Effizienz bzw. Kosteneffizienz ein negativer Zusammenhang besteht, was auf die Gültigkeit der Effizienz-Struktur-Hypothese hindeutet. Insgesamt dokumentieren die Analysen jedoch nur schwache Wirkungszusammenhänge zwischen den Umfeldfaktoren und der Effizienz. Die in der Wissenschaft bisher intensive Diskussion zur Notwendigkeit der Berücksichtigung von externen Umfeldfaktoren bei Effizienzstudien im Regionalbankensektor kann auf Basis der Ergebnisse dieser Arbeit nur sehr eingeschränkt geteilt werden. Studie 3 untersucht Fusionsdeterminanten und Fusionserfolg für den Zeitraum 2009–2018 auf Basis der produktionsökonomischen Effizienz. In dem für diese Arbeit relevanten Untersuchungszeitraum hat sich die Anzahl der deutschen Sparkassen von 431 Instituten in 2009 auf 386 Sparkassen in 2018 reduziert. Im Rahmen einer ex-ante Analyse wird mittels multinomialer logistischer Regressionsmodelle der Einfluss der Effizienz auf Basis der Modellspezifikation des Wertschöpfungsansatzes sowie weiterer interner Faktoren und externer Umfeldfaktoren untersucht. Die Analysen dokumentieren für die produktionsökonomische Effizienz keine signifikanten Wirkungszusammenhänge. Relevante Determinanten sind die Betriebsgröße, die Cost-Income-Ratio (CIR) und die Fusionserfahrung. Der ex-post Fusionserfolg wird auf Basis einer dynamischen Panelregression analysiert. Bemerkenswert sind die Ergebnisse bei der Kosteneffizienz: Es zeigen sich für die drei Nachfusionsjahre positive Fusionseffekte, wobei erst im dritten Jahr das Schätzmodell einen signifikanten Wirkungszusammenhang liefert. Die Ergebnisse belegen, dass Fusions-SK im Vergleich zu Nicht-Fusions-SK in den ersten drei Nachfusionsjahren erfolgreich ihre Faktorpreise managen und Ineffizienzen beseitigen konnten.

Date: 2022
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Page updated 2025-03-30
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