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Friedman's Instrumentalismus und das Problem von Kopernikus

Katrin Hirte ()

No 114, ICAE Working Papers from Johannes Kepler University, Institute for Comprehensive Analysis of the Economy

Abstract: Der 1953 publizierte Aufsatz 'The Methodology of Positive Economics' von Milton Friedman gilt als eine der 'einflussreichsten' Publikationen in der Oekonomik und gleichzeitig als eine der umstrittensten. Denn im genannten Aufsatz vertrat dieser die Ansicht, dass es in der Oekonomik bei der Aufstellung einer Hypothese nicht auf deren Ausgangsannahmen ankaeme, sondern dass es nur um die Aussagefaehigkeit dieser ginge. Fuer die Befuerworter*innen der friedman'schen Auffassung wirkte die behauptete Nichtrelevanz der Ausgangsannahmen wie eine Befreiung, konnten sie doch nun ohne Unbehagen Theorien verwenden, von denen sie wussten, dass diesen solch unrealistische Annahmen wie perfekte Maerkte zugrunde liegen. Kritiker*innen sahen hingegen in dieser Auffassung einen Freifahrtschein fuer Modellplatonismus. Wie anhaltend die Debatte in der Oekonomik nach wie vor gefuehrt wird, zeigt u. a. der 2009 erschienene Sammelband 'The Methodology of Positive Economics - Reflections on the Milton Friedman legacy'. Dabei konzentrieren sich diese Reflexionen wie schon zahlreiche andere hauptsaechlich auf inneroekonomische Debatten, aber kaum auf allgemeinere wissenschaftstheoretische und wissenschaftshistorische Auffassungen. Dies ist besonders bezueglich der Naturwissenschaften auffaellig, welche von Oekonom*innen gerne als 'Vorbild' herangezogen werden und was auch Milton Friedman in seinem Aufsatz tat, dort zum Gesetz des Freien Falls. Im Beitrag soll daher gezeigt werden, welche Einsichten durch Hinzuziehen der Erfahrungen aus den Naturwissenschaften gewonnen werden und hier am zentralen Beispiel eines Paradigmenwechsels in den Wissenschaften, der kopernikanischen Wende. Denn zu diesem besteht allgemein die Annahme, dass gerade dieses Beispiel gut verstaendlich und auch gut erforscht sei. Hierzu wird gezeigt, dass dies zwar zutrifft - insbesondere seit den Arbeiten von Noel Swerdlow (1973, 1976) -, aber dass die Erkenntnisse daraus kaum einen Eingang in die oekonomietheoretischen Debatten erfuhren. So blieb daher auch weitgehend unthematisiert, dass ausgerechnet das Kernanliegen von Kopernikus darin bestand, den auch damals schon bestehenden Instrumentalismus zu ueberwinden: Es ist - so Kopernikus - unzulaessig, beliebige Modelle zu entwerfen, nur um die 'Phaenomene zu retten'. Sondern umgekehrt gilt es, begruendete Ausgangsannahmen 'zu retten'. Daher findet sich der Slogan der 'Rettung der Regelmaessigkeiten', mit der Kopernikus dem damals praktizierten Instrumentalismus den Kampf ansagte, auch in der ersten Zeile seiner ersten Publikation von 1510. Und erst mit neuen begruendeten Annahmen - hier dem Heliozentrismus - wurde bekanntlich auch die Astronomie als Wissenschaft begruendet.

Pages: 25 pages
Date: 2020-09
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