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Der Betreuungsausbau ist regional unterschiedlich schnell vorangeschritten: Eine Betrachtung der Entwicklungen von Platzzahlen und Quoten auf Kreisebene

Wido Geis-Thöne

No 66/2020, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute

Abstract: Auf kleinräumiger Ebene lässt sich der Betreuungsausbau aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Entweder kann man der Frage nachgehen, wie stark in den Kommunen an dieser Stelle investiert wurde und die Anstiege bei den Platzzahlen vergleichen, oder man kann die regionalen Entwicklungen bei der Versorgungslage thematisieren und die Veränderung der Betreuungsquoten in den Blick nehmen. Die jeweils resultierenden Befunde unterscheiden sich teilweise auch strukturell deutlich, da die Kinderzahlen in den letzten Jahren in manchen Kreisen stark zugenommen haben, während sie in anderen rückläufig waren. Betrachtet man die Zeit seit der Einführung des Rechtsanspruchs, sind die Zahlen der von unter Dreijährigen in Anspruch genommenen Betreuungsplätze relativ zur Bevölkerung zwischen dem 1. März 2014 und dem 1. März 2019 im Nordwesten Deutschlands besonders stark gestiegen. Spitzenreiter bei der Zunahme sind die Landkreise Steinfurt mit 48,5 Plätzen je 10.000 Einwohnern, Coesfeld mit 47,1 Plätzen je 10.000 Einwohnern und Borken und Gifhorn mit jeweils 41,0 Plätzen je 10.000 Einwohnern. Nimmt man mit dem 15. März 2007 den letzten Zeitpunkt vor der politischen Entscheidung für einen bedarfsgerechten Ausbau der Betreuungsinfrastruktur für unter Dreijährige als Ausgangspunkt, finden sich in den Regionen um die großen Metropolen, dem südwestlichen Niedersachsen und dem nördlichen Nordrhein-Westfalen Ausbauschwerpunkte. Die höchsten Anstiege der Platzzahlen je 10.000 Einwohnern verzeichnen nun der Landkreis Vechta mit 109,6, Hamburg mit 104,0 und der Landkreis Coesfeld mit 101,9. Bei den Betreuungsquoten zeigt sich am 1. März 2019 noch immer ein starkes Ost-Westgefälle. Gleichzeitig weisen die Ausbaustände allerdings auch innerhalb der Landesteile eine große Variation auf und liegen etwa in Nordbayern höher als im übrigen Westen. Betrachtet man die Veränderung zwischen dem 1. März 2014 und dem 1. März 2019 finden sich im Nordwesten besonders hohe Anstiege mit Spitzenwerten von 11,7 Prozentpunkten im Landkreis Steinburg, 10,9 Prozentpunkten im Landkreis Steinfurt und 10,3 Prozentpunkten im Landkreis Coesfeld. Gleichzeitig weisen allerdings auch insgesamt 48 Kreise in verschiedenen Regionen Rückgänge um mehr als einen Prozentpunkt auf. In der längeren Frist seit dem 15. März 2007 trifft dies nur auf einen Kreis im Osten zu und es finden sich Höchstwerte von 34,5 Prozentpunkten im Landkreis Coesfeld, 33,2 Prozentpunkte im Landkreis Lüneburg und 31,6 Prozentpunkten im Landkreis Schleswig-Flensburg. Insgesamt stechen hier erneut der Nordwesten und das nördliche Bayern positiv heraus. Nimmt man die Entwicklung der Betreuungssituation der Drei- bis Fünfjährigen in den Blick, zeigt sich ein alarmierendes Bild. So ist der Anteil der Kinder, die in diesem Alter eine Kita besuchen, zwischen dem 1. März 2014 und dem 1. März 2019 in insgesamt 33 Kreisen um mehr als 5 Prozentpunkte gesunken. So wichtig eine bedarfsgerechte Betreuungsinfrastruktur für unter Dreijährige ist, muss hier prioritär gehandelt werden. Sonst können große Nachteile für die Bildungschancen der nicht betreuten Kindergartenkinder drohen, wenn sie zu Hause nicht optimal gefördert werden. Um hier passgenaue Maßnahmen entwickeln zu können, sollten die Städte und Gemeinden zunächst prüfen, ob diese Kinder tatsächlich noch am Ort leben und sich in spezifischen Lebenslagen, wie der Erstaufnahme für Asylsuchende, befinden.

JEL-codes: J13 J20 R10 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2020
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