Ziele für die Zukunft der Tierhaltung - gelingt der staatlich initiierte Dialog? Erkenntnisse aus der SocialLab Zukunftswerkstatt Landwirtschaftliche Tierhaltung
Philipp von Gall,
Bea Bardusch and
Marie von Meyer-Höfer
No 216, Thünen Working Papers from Johann Heinrich von Thünen Institute, Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries
Abstract:
Zur Neugestaltung der politischen Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Tierhaltung in Deutschland hat die Bundesregierung seit 2019 neue Beratungsgremien einberufen: das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung ('Borchert-Kommission'), das seine Arbeit im Sommer 2023 auf eigenen Wunsch eingestellt hat, und die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL). Dieser Beitrag untersucht vergleichend, wie diese Gremien den Stakeholder-Dialog umsetzen und inwiefern damit der gesellschaftliche Dialog zur Zukunft der landwirtschaftlichen Tierhaltung angemessen abgebildet wird. In die Analyse fließen die Ergebnisse der 'SocialLab Zukunftswerkstatt Landwirtschaftliche Tierhaltung' ein, die parallel zu den Kommissionen als wissenschaftliches Projekt umgesetzt wurde. Im Fokus steht der Vergleich der thematischen Ausrichtung und Beteiligungsformen sowie die vorgebrachten Zielbilder für die landwirtschaftliche Tierhaltung. Wenn staatliche Gremien die gesellschaftliche Debatte über die Zukunft der landwirtschaftlichen Tierhaltung abbilden sollen, müssen sie zwei Entwicklungen berücksichtigen. Erstens kündigt sich ein agrarpolitischer Paradigmenwechsel an: Der Erhalt großer Tierbestände in Deutschland sowie der Ausbau der Tierhaltung sind nicht mehr unhinterfragte Ausgangspunkte der Debatte. Die Akzeptanz und die Nachfrage, tierische Produkte durch geeignete Alternativen zu ersetzen, steigen. Dies geht einher mit Verlust- und Existenzängsten von Wirtschaftsakteuren rund um die landwirtschaftliche Nutztierhaltung. Zweitens verändert sich die Akteurslandschaft. Die Interessen der Landwirtschaft werden heute von einer Vielzahl heterogener Akteure vertreten. Zudem gewinnt die Vertretung des Tier- und Umweltschutzes in der Debatte an Bedeutung. Tierschutzakteure vertreten nach ihrem Selbstverständnis die vollumfänglichen Interessen der Tiere in ihrer Gesamtheit, wozu auch die Reduzierung der Tierhaltung gehört. Das stellt klassische Tierschutzkonzeptionen infrage. Umweltfolgen der Tierhaltung erhalten seit Jahren stärkere Aufmerksamkeit. Diese Ausgangslage macht bereits die inhaltliche Konzeption der Gremien zu einem Konfliktpunkt: nämlich ob nur die Art und Weise ('Wie') oder auch die quantitative Entwicklung der landwirtschaftlichen Tierhaltung ('Wieviel') zur Diskussion steht. In den untersuchten staatlichen Gremien ist eine Zurückhaltung bei der Thematisierung des zukünftigen Umfangs der Tierhaltung bzw. einer Reduktion sowohl der Tierhaltung als auch des entsprechenden Konsums erkennbar, obwohl diese von der Gesellschaft durchaus erwünscht sind. Akteure, die ein Interesse an einer Reduktion der Tierhaltung haben, sind sowohl in der ZKL als auch in der BK in Minderheit vertreten. Um einen ergebnisoffenen und breit akzeptierten Dialog über die Zukunft der Tierhaltung zu erzielen, müssten - die Interessen an der Tierhaltung gleichberechtigt mit Interessen an Alternativen zur Tierhaltung sowie - die Aufgaben und Rollen der Vertretung des Tier- und Umweltschutzes neu definiert werden.
Keywords: Zukunft; landwirtschaftliche Tierhaltung; gesellschaftlicher Dialog; Akzeptanz; Future; animal husbandry; social dialogue; acceptance (search for similar items in EconPapers)
Date: 2023
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DOI: 10.3220/WP1689231389000
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