EconPapers    
Economics at your fingertips  
 

Flächennutzung und Flächennutzungsansprüche in Deutschland

Bernhard Osterburg, Andrea Ackermann, Jonas Böhm, Matthias Bösch, Jens Dauber, Thomas de Witte, Peter Elsasser, Stefan Erasmi, Alexander Gocht, Heiko Hansen, Claudia Heidecke, Sebastian Klimek, Christine Krämer, Heike Kuhnert, Aura Moldovan, Hiltrud Nieberg, Christoph Pahmeyer, Elke Plaas, Joachim Rock, Norbert Röder, Mareike Söder, Gideon Okpoti Tetteh, Bärbel Tiemeyer, Andreas Tietz, Johannes Wegmann and Maximilian Zinnbauer

No 224, Thünen Working Papers from Johann Heinrich von Thünen Institute, Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries

Abstract: Die Landwirtschaftsfläche ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Dies ging mit einer Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsfläche sowie von Waldfläche einher. Dieser Prozess setzt sich weiter fort. Auch wenn die Nahrungsversorgung in Deutschland aufgrund dieser Entwicklung nicht gefährdet wird, ist Landwirtschaftsfläche eine grundsätzlich sehr knappe und schützenswerte Ressource. Es muss abgewogen werden, welche globale Verantwortung Deutschland hat, fruchtbare Ackerflächen für die Nahrungsproduktion einzusetzen und entsprechend zu schützen. Vor dem Hintergrund nationaler und internationaler Nachhaltigkeitsziele, die auf den Schutz der Böden abzielen, und angesichts der Tatsache, dass die pro Kopf zur Verfügung stehenden Anbauflächen weltweit abnehmen, sollte Deutschland im Umgang mit der Ressource Boden eine Vorbildfunktion einnehmen. In den letzten Jahren ist die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlung und Verkehr deutlich zurückgegangen. Im Zuge des geplanten, verstärkten Wohnungsneubaus und des Ausbaus erneuerbarer Energien, insbesondere der Freiflächen-Photovoltaik, ist jedoch bis 2030 eine stark ansteigende Flächenneuinanspruchnahme zu erwarten. Gleichzeitig werden aus Sicht des Biodiversitäts- und Klimaschutzes zunehmende Flächenansprüche für die Schaffung naturnaher Lebensräume und Kohlenstoffsenken formuliert. Diese sind mit Flächennutzungs-änderungen (Aufforstung, Gehölzpflanzungen, Wiedervernässung von Mooren) oder mit einer Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung verbunden. In welchem Umfang die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) durch zusätzliche Flächenansprüche für bezahlbaren Wohnraum, für die Energiewende und für den natürlichen Klimaschutz insgesamt beansprucht wird, ist angesichts zahlreicher Unwägbarkeiten kaum prognostizierbar. Eine Schätzung unter der Annahme, dass wesentliche formulierte Ziele bis 2030 erreicht werden, beläuft sich auf einen Rückgang um mehr als 300.000 ha LF bis 2030. Die zunehmenden Flächenansprüche verstärken die ohnehin bestehenden Flächennutzungskonkurrenzen. Die Nutzungsansprüche müssen künftig stärker gegeneinander abgewogen werden, und Synergien und Mehrfachnutzungen von Flächen sollten so weit wie möglich realisiert werden. Beispiele für solche Synergien sind der Ausbau von Photovoltaik (PV) auf Siedlungs- und Verkehrsflächen, auf wiedervernässten Mooren oder in Kombination mit landwirtschaftlicher Nutzung. Eine Steuerung des PV-Ausbaus auf Freiflächen ist derzeit allerdings nur eingeschränkt möglich, da Planung und Genehmigung in der Hand der Kommunen liegen und Neuanlagen zunehmend auch außerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes entstehen. Die erweiterte baurechtliche Privilegierung von Freiflächen-PV auf Korridoren entlang von Autobahnen und Bahntrassen soll den Ausbau beschleunigen und befördert dabei die Umwandlung von Landwirtschaftsflächen, ohne die genannten Synergien zu nutzen. Angesichts der hohen Flächenansprüche für den Biodiversitäts- und Klimaschutz müssen auch in diesem Bereich Synergien genutzt werden. Die Abwägung und Steuerung der verschiedenen Flächenansprüche, ohne dabei das Tempo der Energiewende und der Transformation in Richtung einer nachhaltigeren und klimafreundlicheren Landnutzung zu bremsen, ist eine große Herausforderung für die Politik. Hierfür ist eine zielübergreifende Landnutzungspolitik zu entwickeln.

Keywords: Landnutzung; Flächennutzungskonkurrenzen; Landnutzungspolitik; Siedlungs- und Verkehrsfläche; Erneuerbare Energien; Freiflächen-Photovoltaik; Wiedervernässung von Mooren; land use; land use competition; land use policy; settlement and transport infrastructure; renewable energies; ground-mounted photovoltaics; rewetting of peatlands (search for similar items in EconPapers)
Date: 2023
New Economics Papers: this item is included in nep-env and nep-ger
References: Add references at CitEc
Citations:

Downloads: (external link)
https://www.econstor.eu/bitstream/10419/279532/1/1866188240.pdf (application/pdf)

Related works:
Working Paper: Flächennutzung und Flächennutzungsansprüche in Deutschland (2023) Downloads
This item may be available elsewhere in EconPapers: Search for items with the same title.

Export reference: BibTeX RIS (EndNote, ProCite, RefMan) HTML/Text

Persistent link: https://EconPapers.repec.org/RePEc:zbw:jhtiwp:279532

DOI: 10.3220/WP1697436258000

Access Statistics for this paper

More papers in Thünen Working Papers from Johann Heinrich von Thünen Institute, Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries Contact information at EDIRC.
Bibliographic data for series maintained by ZBW - Leibniz Information Centre for Economics ().

 
Page updated 2025-03-20
Handle: RePEc:zbw:jhtiwp:279532