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Nachhaltige Entwicklung in einer Welt von Dämonen? Max Webers Bild des Politikers und der Homo politicus

Reiner Manstetten

No 10/2014, UFZ Discussion Papers from Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ), Division of Social Sciences (ÖKUS)

Abstract: Die hier vorgelegte Auseinandersetzung mit Webers Essay "Politik als Beruf" soll einen Beitrag leisten zu der Frage, ob eine umfassende verantwortliche Nachhaltigkeitspolitik, realistisch betrachtet, überhaupt möglich ist. Weber eröffnet einen Zugang zu grundsätzlichen Problemen politischen Handelns und zu den Herausforderungen, denen sich politische Akteure zu stellen haben, indem er folgende Fragen angeht: Was ist das Wesen der Politik? Was ist die Eigenlogik politischer Abläufe? Auf welche Strukturen muss man besonders achten, um politisches Geschehen zu verstehen? Worin besteht die Bedeutung der Person innerhalb der Eigenlogik der Politik? Was sind die Möglichkeiten und Grenzen politischen Handelns? Insbesondere finden sich bei Weber prinzipielle Überlegungen zu der Frage: Was bedeutet es im Bereich der Politik, verantwortlich zu handeln? Webers Essay wird hier als Anfrage an die Möglichkeit einer sinnvollen Politik der Nachhaltigkeit interpretiert. Der Artikel untersucht im ersten Teil Webers Verständnis von Politik, insbesondere anhand seines Begriffes von Legitimität. Anschließend wird das Feld der Politik mit seinen Strukturen betrachtet sowie die Typik unterschiedlicher politischer Charaktere. Eine besondere Rolle spielt dabei der Begriff des Charismas. Ursprünglich in der Sphäre des Religiösen beheimatet, wird er von Weber in den Bereich des Politischen übertragen, um die Möglichkeit, dass grundsätzliche Neugestaltung in der Politik möglich ist, theoretisch zu fundieren. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Webers Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik, mit ihren Stärken und Grenzen. Webers Betrachtungen legen insgesamt eine eher pessimistische Einstellung gegenüber den Möglichkeiten der Politik, Dinge zum Guten zu gestalten, nahe. Denn politisches Handeln ist immer tragisch verstrickt, und da der Handelnde nicht umhin kann, sich mit den Dämonen dieser Welt einzulassen, weil er bereit sein muss, für gute Zwecke Gewalt anzuwenden, macht er sich potenziell schuldig: Weber sagt: "Es ist durchaus wahr und eine - jetzt hier nicht näher zu begründende - Grundtatsache aller Geschichte, dass das schließliche Resultat politischen Handelns oft, nein: geradezu regelmäßig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichen Sinn steht." Dass eine umfassende Politik der Nachhaltigkeit, deren Resultate von bleibendem Wert wären, gelingen könnte, wäre unter solchen Umständen, wenn man Weber folgt, äußerst unwahrscheinlich. Im dritten Teil wird der Politikanalyse Webers das Konzept des Homo politicus (Faber/Manstetten/Petersen 1997) gegenübergestellt. Es zeigt sich dabei, dass Webers Untersuchungen dieses Konzept um wichtige Aspekte ergänzen, dass es aber durch sie nicht grundsätzlich erschüttert werden kann. Dieses Ergebnis ist vor allem deswegen bedeutsam, weil damit zugleich deutlich wird, dass man die Hoffnung auf eine gelingende Nachhaltigkeitspolitik trotz aller Einwände Webers nicht aufgeben muss.

Date: 2014
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