Arbeitsverdichtung in den Betrieben? Empirische Befunde aus der WSI-Betriebsrätebefragung
Elke Ahlers and
Serife Erol
No 33, WSI Policy Briefs from The Institute of Economic and Social Research (WSI), Hans Böckler Foundation
Abstract:
Die Arbeitswelt ist von zahlreichen technologischen, organisatorischen und sozialen Veränderungen gekennzeichnet. In nahezu allen Gesellschaftsbereichen nutzen Menschen ihre Zeit intensiver, für viele entsteht der Eindruck, die Zeit sei knapper geworden. Zwar ist die Diskussion um Arbeitsintensivierung keineswegs neu, seit einigen Jahren wird sie aber verstärkt in den Zusammenhang mit Veränderungen in der Arbeitswelt gebracht. Termin- und Leistungsdruck ist das Ergebnis eines Missverhältnisses zwischen Arbeitsmenge, geforderter Qualität und zur Verfügung stehender Zeit. In diversen Studien ist der hohe Arbeits- und Leistungsdruck der Beschäftigten belegt (Lohmann-Haislah 2012, DGB-Index Gute Arbeit 2015) und auch als gesundheitsgefährdendes Risiko eingeordnet (Siegrist 2015, Rau/Göllner 2018, etc.). Da eine dauerhaft hohe Arbeitsintensität für Beschäftigte zum einen negative Auswirkungen auf das Privatleben hat (workhome-conflict) und zum anderen, vermittelt über Erschöpfung und Erholungsunfähigkeit, auch ein Gesundheitsrisiko darstellt (Lohmann-Haislah 2012; Rau/Buyken 2015; Zajc/Kohont 2017), sind Forschungen auf diesem Gebiet von hoher Relevanz. Es sollte vorweg unterschieden werden, ob über Arbeitsintensität (als Zustand) oder über Arbeitsintensivierung (als Veränderung des Zustands) gesprochen wird. Arbeitsintensität wird in der Literatur häufig über hohes Arbeitstempo, Zeit- und Arbeitsdruck, Erschöpfung oder Multitasking definiert (Felstead et al. 2013; Franke 2015; Green 2004). Dagegen wird unter Arbeitsintensivierung die dynamische Entwicklung wie 'gestiegenes Arbeitstempo', 'gestiegene Arbeitsmenge' oder 'häufigere Kundengespräche' verstanden (Franke 2015). Kubicek und Tement (2016) sehen in der Arbeitsintensivierung einen komplexeren, breiteren Ansatz, der über ständig hohes Arbeitstempo oder Überstunden hinausgeht. Arbeitsintensivierung ist demnach nicht nur ein stetiges "Mehr des Gleichen", sondern kann eine Folge von dynamischen, unvorhersehbaren Arbeitsanforderungen sein, auf die immer wieder neu reagiert werden muss. In diesem Policy Brief soll es ausdrücklich um beides gehen, sowohl um die (hohe) Arbeitsintensität am Arbeitsplatz (die zu bewältigende Menge) als auch um die Arbeitsintensivierung in Form einer höheren Komplexität in der Arbeit. Arbeitsintensivierung wird nicht als (eindimensionale) Belastung verstanden, wie z. B. Zeitdruck, sondern eine Kombination unterschiedlicher Belastungsmomente (Rau/Göllner 2018; Burke et al. 2010). (...)
Date: 2019
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