Bilanz und Perspektiven der Förderprogramme für Alleinerziehende im Land Bremen
René Böhme and
Lena Kramer
No 47, Reihe Arbeit und Wirtschaft in Bremen from Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW), Universität Bremen und Arbeitnehmerkammer Bremen
Abstract:
Im Jahr 2023 war etwa jede zweite Ein-Eltern-Familie im Land Bremen von SGB II-Leistungen abhängig. Etwa zwei von drei Alleinerziehenden waren im selben Jahr erwerbstätig. 55 Prozent der Alleinerziehenden im Land Bremen galten im Jahr 2023 als armutsgefährdet. Im Rahmen dieser Studie wurde der Frage nach den Ursachen dieser Problemlagen nachgegangen und die bisherigen Förderansätze bewertet. Als Gründe für die benachteiligte Lebenslage ließen sich zahlreiche Aspekte identifizieren: So gibt es im Land Bremen trotz aller Heterogenität der Zielgruppe eine verhältnismäßig große Gruppe von Alleinerziehenden mit multiplen sozialen Problemlagen. Diese befinden sich oftmals in einem Teufelskreis von gesundheitlichen Einschränkungen, Wohnraumdefiziten, Erziehungsproblemen und Förderbedarfen der Kinder, geringer Qualifikation, Einsamkeit, unzureichenden Betreuungsangeboten, Überforderung mit der Sozialbürokratie sowie fehlenden passgenauen Stellen. Die Analyse der Programme zur Unterstützung von Alleinerziehenden hat verschiedene Schwachstellen offengelegt. Dazu zählen die Arbeitsmarktfokussierung und Projektlastigkeit der Angebote, die mit kurzen Zuweisungsdauern und unrealistischen Zielsetzungen die Vielzahl an Problemlagen unterschätzen und die Defizite der sozialen Infrastruktur ausblenden. Eine ressortübergreifende Herangehensweise ist bisher nicht zu erkennen - insbesondere die Bereiche Wohnen und Gesundheit sind im Landesprogramm konzeptionell unterentwickelt. Es deuten sich zu vielen Angeboten der Sozialpolitik eher Parallelstrukturen an, weil in den Projekten eine Dienstleistung "aus einer Hand" befürwortet wird. Im Bereich Kindertagesbetreuung gibt es zwar diverse Ziele, aber ein Umsetzungsproblem. Transparenz und Monitoring der Förderprojekte wurden ebenfalls kritisiert. Die bisherigen Förderansätze sind zudem unzureichend mit potenziellen Arbeitgeber:innen verzahnt. Vor diesem Hintergrund wurden zahlreiche Handlungsempfehlungen formuliert. So wäre es wünschenswert, wenn Sozial-, Gesundheits-, Bildungs-, Wohnungs-, Integrations- und Arbeitsmarktpolitik sowie potenzielle Arbeitgeber:innen in Bezug auf die Zielgruppe der Alleinerziehenden im Sinne einer Gesamtstrategie besser miteinander verzahnt würden. Statt eines Denkens in Zeiträumen von sechs bis zwölf Monaten wird der Ansatz der Förderketten als passender für die Lebenslagen vieler Alleinerziehender eingeschätzt. In Bezug auf die Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung wird mehr Pragmatismus empfohlen: Mit dem "Offenburger Modell", dem Betreuungsprojekt MoKi sowie dem Patenprojekt "Sonne, Mond und Sterne" gibt es genügend Beispiele, wie eine Flexibilisierung und Randzeitenbetreuung zugunsten von Alleinerziehenden auch außerhalb des institutionellen Systems der Kindertagesbetreuung umgesetzt werden kann. Des Weiteren sind verstärkte Anstrengungen notwendig, um Alleinerziehende z. B. im Rahmen von Selbsthilfeinitiativen oder Peer-to-Peer-Ansätzen besser mit anderen Familien zu vernetzen. Vor dem Hintergrund des hohen Anteils ausländischer Alleinerziehender im SGB II wird angeregt zu überprüfen, inwieweit spezifische Bedarfe von Zugewanderten in den bisherigen Förderprogrammen stärker Berücksichtigung finden können. Ferner wird befürwortet, bei der Unterstützung von Alleinerziehenden möglichst früh (d. h. auch bei unter dreijährigen Kindern) anzusetzen, da eine längere Phase der Abwesenheit vom Arbeitsmarkt zahlreiche Problemlagen nur verschlimmert.
Date: 2024
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DOI: 10.26092/elib/3378
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