Konjunktur aktuell: Zwischen Energiekrise und KI-Boom
Andrej Drygalla,
Franziska Exß,
Alexandra Gutsch,
Katja Heinisch,
Oliver Holtemöller,
Martina Kämpfe,
Boris Kozyrev,
Axel Lindner,
Sukanya Mukherjee,
Alessandro Sardone,
Birgit Schultz and
Götz Zeddies
Konjunktur aktuell, 2026, vol. 14, issue 2, 32-61
Abstract:
Der Golfkonflikt hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Verbraucherpreise weltweit steigen lassen. Der Angebotsausfall von Erdöl wird derzeit durch einen Abbau der Lager kompensiert, denn es wird damit gerechnet, dass die Straße von Hormus im Lauf des Sommers wieder befahrbar wird. Daneben gibt der KI-Boom der Weltkonjunktur weiterhin kräftige Impulse. Ostasien stellt viele der für die Künstliche Intelligenz benötigten Kapitalgüter zur Verfügung, investiert wird in die Anlagen zu einem großen Teil in den USA. Die Konjunktur wird darüber hinaus von Investitionen in Waffensysteme sowie in erneuerbare Energien gestützt. Dämpfend werden dagegen vielerorts Zinserhöhungen als Reaktion auf gestiegene Inflationsraten wirken. Auch bleibt die Binnennachfrage in China schwach, und die Wirtschaft im Euroraum hat mit dem harten Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter und den US-Zollerhöhungen zu kämpfen. Zu Jahresbeginn schien sich für die deutsche Wirtschaft ein moderater Aufschwung abzuzeichnen. Im ersten Quartal legte die Produktion recht deutlich zu. Ausschlaggebend dafür war eine Zunahme der Exporte. Ob 2026 ein Aufschwungsjahr wird, scheint im Sommer aber wieder sehr zweifelhaft. Denn die gestiegenen Energiepreise erhöhen auch hierzulande die Produktionskosten der Unternehmen und belasten die Einkommen der privaten Haushalte, und die drohende Energiekrise nagt an der wirtschaftlichen Zuversicht. Dass es wohl trotzdem zu keinem konjunkturellen Einbruch kommt, liegt auch an der expansiven Ausrichtung der Finanzpolitik. So dürfte der öffentliche Konsum weiter deutlich ausgeweitet werden, und die öffentlichen Investitionsprogramme werden die Bauinvestitionen steigen lassen. Bei den Exporten stehen die Chancen gut, dass es nach drei Jahren Rückgang wieder zu einem leichten Anstieg kommt. Denn die letztjährigen Zollerhöhungen der USA dürften sich nicht wiederholen, und die Ausfuhren in die europäischen Nachbarländer steigen tendenziell. Die privaten Konsumausgaben dürften, zusammen mit den real verfügbaren Einkommen, leicht ausgeweitet werden
Date: 2026
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DOI: 10.18717/ka6337-zs34
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