Der Mindestlohn als Mittel gegen Einkommensarmut
Lennart Eckle and
Christoph Schröder
IW-Trends – Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung, 2026, vol. 53, issue 1, 3-26
Abstract:
Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro im Oktober 2022 veränderte die Lohnverteilung spürbar. Der Effekt auf die Einkommensarmut blieb aber gering. Die Armutsgefährdungsquote der Bevölkerung stieg auf Grundlage der Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 2022 auf 2023 leicht auf 16,3 Prozent, bei den Beschäftigten blieb sie mit 8,2 Prozent (2023) nahezu stabil. Betrachtet man nur die Personen, die sowohl 2022 als auch 2023 im Rahmen des SOEP befragt wurden (Längsschnittanalyse), geht die Quote um 0,5 Prozentpunkte zurück - ebenfalls keine starke Änderung. Bei den Beschäftigten mit Stundenlöhnen von unter 12 Euro im Jahr 2022 sank die Armutsgefährdungsquote dagegen im Längsschnitt um 5,5 Prozentpunkte. Zur Isolierung des Mindestlohneffekts wurden die Stundenlöhne dieser Gruppe simulativ auf 12 Euro angehoben, während die anderen Daten aus der Befragungswelle 2022 unverändert blieben. Die Quote sinkt dann bei diesen Beschäftigten um 2,2 Prozentpunkte. Eine Erhöhung auf das Living-Wage-Niveau von 60 Prozent des Medianstundenlohns würde die Einkommensarmutsquote der Bevölkerung lediglich um 0,2 Prozentpunkte senken. Bei den Niedriglohnempfängern ginge die Quote um 2,9 Prozentpunkte zurück. Der Einfluss auf die zukünftige Altersarmut ist sehr gering, da die potenzielle Erhöhung des Rentenanspruchs zumindest bei Vollzeitbeschäftigten weitgehend durch niedrigere Grundrentenzuschläge kompensiert würde. Mindestlohnerhöhungen sind somit kein effizientes Instrument zur Bekämpfung von Einkommensarmut.
Keywords: Mindestlohn; Einkommensarmut; Living Wage (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: H55 I32 J31 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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DOI: 10.2373/1864-810X.26-01-01
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