Die Krise der afrikanischen Handlungsfähigkeit und der wachsende Einfluss externer Akteure in der Konfliktmediation in Afrika
Nicodemus Minde
No 2/2025, Global Governance Spotlight from Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF), Bonn
Abstract:
Die internationalen Beziehungen Afrikas gehen davon aus, dass Afrikas periphere Stellung ein proaktiveres Vorgehen in globalen Fragen erfordert - ein Konzept, das als African agency (afrikanische Handlungsfähigkeit) bezeichnet wird. In der Konfliktmediation lässt sich jedoch eine Erosion dieser afrikanischen Handlungsfähigkeit beobachten: Fragen von Frieden und Sicherheit auf dem afrikanischen Kontinent werden immer stärker durch externe Akteure geprägt. Unter dem Leitmotiv "Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme" (African solutions to African problems) wurden die Afrikanische Union (AU) und die Regionalen Wirtschaftsgemeinschaften (RECs) zum zentralen Ausdruck afrikanischer Handlungsfähigkeit. Inzwischen leiden sie jedoch unter organisatorischen und institutionellen Schwächen, knappen Finanzmitteln und einer begrenzten Durchsetzungsfähigkeit - eine Lücke, die zunehmend von externen Akteuren geschlossen wird. Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind zu wichtigen Vermittlern in afrikanischen Konflikten geworden. Ihr Engagement wird vor allem von geopolitischen Ambitionen, sicherheitspolitischen Erwägungen und wirtschaftlichen Interessen getragen - insbesondere am Horn von Afrika und in der Großen-Seen-Region. Die Krise des Multilateralismus - gekennzeichnet durch einen Rückgang globaler Kooperation und veränderte Machtverhältnisse - hat dazu geführt, dass sogenannte Mittelmächte das Vakuum füllen, das der Rückzug westlicher Staaten hinterlassen hat. Um die Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, ist es entscheidend, die AU und die afrikanischen RECs zu stärken und Koordinierungsmechanismen auszubauen, um Doppelstrukturen und Überschneidungen bei Friedensinitiativen zu vermeiden. Afrika muss die Kontrolle über seine Friedensagenda zurückerlangen, indem es externe Partner auf Augenhöhe einbindet. Die wachsende geopolitische Bedeutung des Kontinents ist dabei zugleich Herausforderung und Chance, seine agency neu zu definieren und die Solidarität in einer multipolaren Welt zu erneuern.
Date: 2025
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