Ankaras kritischer Blick auf das EU-Freihandelsabkommen mit Indien: Die Türkei fordert mit Nachdruck, die Zollunion mit der EU zu modernisieren
Yaşar Aydın
No 8/2026, SWP-Aktuell from Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), German Institute for International and Security Affairs
Abstract:
Dreißig Jahre nach Gründung der Zollunion mit der Europäischen Union (EU) sieht Ankara durch die Freihandelsabkommen der EU mit Drittstaaten, zuletzt mit Indien, wachsende wirtschaftliche Risiken. Während die Verhandlungen zum EU-Indien-Freihandelsabkommen Ende Januar abgeschlossen wurden und nun ebenfalls die Sicherheitskooperation zwischen der EU und Indien ausgeweitet werden soll, bleibt Ankara außen vor. Aus Sicht der Türkei könnte das Abkommen zudem ihr Gewicht im strategischen Kalkül der EU schwächen. Mit Nachdruck fordert Ankara daher die Modernisierung der Zollunion. Denn nicht auszuschließen ist, dass sich die strukturellen Asymmetrien in der Zollunion zu seinen Lasten weiter verfestigen: Marktintegration ohne politische Mitgestaltung kann eine dauerhafte Benachteiligung der Türkei bedeuten und belastet ihre Beziehungen zur EU. Mit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens werden indische Produkte leichter auf den türkischen Markt gelangen, türkische Produkte aber nicht nach Indien. Aufgrund geopolitischer Divergenzen mit Indien bestehen aus türkischer Perspektive überdies Risiken für eigene regionale Interessen. Brüssel und Berlin könnten diese Konstellation nutzen, um die Kooperation mit Ankara auf eine tragfähige institutionelle Grundlage zu stellen.
Keywords: EU; Türkei; Indien; Zollunion; Freihandelsabkommen; FHA; Zölle; Modernisierung Zollunion; Beziehungen Türkei-EU; Beziehungen Türkei-Indien; Handel Türkei-EU; Lieferketten; Investitionen; Handel Türkei-Indien; Wirtschaftskooperation EU-Türkei; europäische Sicherheitsarchitektur; Beziehungen EU-Türkei (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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DOI: 10.18449/2026A08
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