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Steigende Immobilienpreise und steigende Wohnungsnot: Wohnungsmarkt aus dem Gleichgewicht?

Andreas Mense, Eva Lohse, Jan Mutl, Heiko Kirchhain, Reiner Braun and Andreas Dombret

ifo Schnelldienst, 2016, vol. 69, issue 16, 03-25

Abstract: Obwohl immer mehr Geld in den Immobilienmarkt fließt, steigt die Wohnungsnot in Ballungsräumen. Vor allem wächst die Diskrepanz zwischen dem Angebot an und der Nachfrage nach »bezahlbarem« Wohnraum. In den Großstädten und hochpreisigen Regionen konzentriert sich die Bautätigkeit in erster Linie auf die Fertigstellung von Eigentumswohnungen bzw. teuren Mietwohnungen, während zu wenige preiswerte Wohnungen gebaut werden. Sind eine größere staatliche Förderung oder eine Lockerung bestehender baulicher Vorschriften Strategien zur Sicherung eines ausreichenden Angebots an bezahlbarem Wohnraum? Andreas Mense, Universität Erlangen-Nürnberg, hält zunächst fest, dass es in weiten Teilen Deutschlands keinerlei Anzeichen von Wohnungsnot gibt. Allerdings habe vor allem die relativ geringe Bautätigkeit bei gleichzeitigem Rückzug des Staates aus dem Sozialwohnungsbau in den Ballungsräumen zu Preis- und Mietsteigerungen geführt. Es stehe zu befürchten, dass die 2015 in Kraft getretene Mietpreisbremse die schwache Bautätigkeit im Mietwohnungsbereich noch weiter reduziere. Die gegenwärtig diskutierte Absenkung der behördlichen Anforderungen an Bauland berge die Gefahr, dass Wohnungen zweiter Klasse entstehen, die zu einer sozialen Stigmatisierung der Bewohner beitragen könnten. Nach Ansicht von Eva Lohse, Präsidentin des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen, könne der deutsche Wohnungsmarkt im weltweiten und europäischen Vergleich trotz bestehender Spannungen und Disparitäten zwischen Angebot und Nachfrage durchaus als ausgewogen gelten. Festzuhalten bleibe aber, dass es für eine erfolgreiche Wohnungspolitik eines ganzheitlichen wohnungsbaupolitischen Ansatzes bedürfe, den Bund und Länder bislang noch schuldig geblieben seien. Jan Mutl und Heiko Kirchhain, EBS Universität für Wirtschaft und Recht Wiesbaden, sehen für den gesamtdeutschen Markt eine stabile Situation. Ein Ungleichgewicht und irrationale Bepreisung der Immobilienwerte sei nicht zu erkennen. Bei den Preissteigerungen handele es sich eher um die Bewegung auf eine neues Marktgleichgewicht zu als um das Entstehen einer Immobilienblase. Nach Ansicht von Reiner Braun, empirica AG, müssen Bund und Länder das Wohnen dort attraktiver machen, wo die Leute wegziehen, um dem Ungleichgewicht der regionalen Wohnungsnachfrage zu begegnen. Aber mit den falschen Maßnahmen werde das »Schwarmverhalten« auch übermorgen noch herrschen und sich das Ungleichgewicht weiter vergrößern. Für Andreas Dombret, Deutsche Bundesbank, geben die Entwicklungen der letzten Jahre zwar Grund zur erhöhten Achtsamkeit, aber seiner Meinung nach deutet derzeit keines der gängigen Berechnungsverfahren auf eine die Stabilität gefährdende Blase hin.

Date: 2016
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