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Entfremdung zwischen den USA und Europa: Geht das »amerikanische Jahrhundert« zu Ende?

Johannes Varwick, Josef Braml, Jürgen Hardt, Carlo Masala, Galina Kolev, Stormy-Annika Mildner and Julia Howald

ifo Schnelldienst, 2017, vol. 70, issue 14, 03-23

Abstract: Insbesondere seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA stellen sich viele politische Beobachter die Frage, wie zuverlässig die USA für ihre Partner noch sind. Frühere gemeinsame Ziele, wie Freihandel, Klimaschutz und verlässliche transatlantische Beziehungen, sind nicht mehr selbstverständlich. Die Bereitschaft der USA, internationale und multilaterale Strukturen und Institutionen zu unterstützen, scheint nicht mehr vorhanden. Geht das »amerikanische Jahrhundert« zu Ende? Für Johannes Varwick, Universität Halle-Wittenberg, bleiben die USA die »indispensable nation«. Zwar geschehe derzeit eine Anpassung an veränderte weltpolitische Koordinaten, aber die USA seien in dieser Welt die unentbehrliche Nation. Die Stellung der USA sei insgesamt so stark, dass Zweifel an der Existenz einer wirklich multipolaren Ordnung begründet seien. Josef Braml, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, befürchtet, dass US-Präsident Donald Trump und seine Berater der USA mit Hilfe protektionistischer Maßnahmen im weltwirtschaftlichen Wettbewerb zu neuer Stärke verhelfen wollen, und zwar auf Kosten anderer, insbesondere exportstarker Länder. Nach Ansicht von Jürgen Hardt, CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wird die Welt multipolarer – und das Transatlantische immer wichtiger. Bei allen Sorgen, die einige Signale aus der neuen US-Administration hervorrufen, sei und bleibe die amerikanische Gesellschaft und die amerikanische Wirtschaft eine der dynamischsten und innovativsten der Welt. Deshalb sei es wichtig, die Wirtschaftsbeziehungen weiter zu verflechten und die Verhandlungen über eine mögliche umfassende Handels- und Investitionspartnerschaft bald wieder aufzunehmen. Carlo Masala, Universität der Bundeswehr München, beantwortet die Frage mit »ja«, wobei er den Abstieg der USA in der Weltpolitik – und somit das Ende des »amerikanischen Jahrhunderts« – nicht erst auf 2016, und somit die Wahl Trumps, sondern bereits auf den Zeitraum zwischen 2002 und 2004 datiert. Donald Trump sei »das hässliche Gesicht des amerikanischen Abstiegs«, jedoch nicht seine Ursache. Galina Kolev, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, sieht den transatlantischen Handel als tragende Säule und Gefahr für die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Nach Meinung von Stormy-Annika Mildner und Julia Howald, BDI, befinden sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einer Krise. Daran ändere auch die gegenseitige Willensbekundung, die Verhandlungen wieder aufnehmen zu wollen, nichts. Die extreme Position von Präsident Trump habe zu einem Vertrauensverlust diesseits des Atlantiks geführt. Deshalb sei es jetzt wichtiger denn je, das Vertrauen zwischen den transatlantischen Partnern wieder zu stärken und auf allen Ebenen den konstruktiven Dialog über Freihandel mit der neuen US-Administration zu suchen.

Keywords: Außenhandel; Außenwirtschaftspolitik; Protektionismus; Internationale Wirtschaftsbeziehungen; Internationaler Wettbewerb; USA; Europa (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: F13 F63 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2017
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