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DIW-Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft kämpft sich aus der Winterrezession

Timm Bönke, Geraldine Dany-Knedlik, Guido Baldi, Hella Engerer, Pia Hüttl, Konstantin A. Kholodilin, Frederik Kurcz, Theresa Neef, Laura Pagenhardt, Werner Roeger, Marie Rulliere, Jan-Christopher Scherer, Teresa Schildmann, Ruben Staffa, Kristin Trautmann and Jana Wittich

DIW Wochenbericht, 2023, vol. 90, issue 24, 287-321

Abstract: Nach der leichten Rezession im Winter ist die deutsche Wirtschaft mittlerweile auf Erholungskurs. Zwar haben der Krieg in der Ukraine, die Rekordinflation und die befürchtete Gasmangellage ihre Spuren hinterlassen und die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Ein drastischer Wirtschaftseinbruch blieb aber aus. Mit einer lediglich leichten Rezession im Winterhalbjahr, also zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufigem Bruttoinlandsprodukt (um 0,5 und 0,3 Prozent), kam sie glimpflich davon. So konnten ein milder Winter sowie die entschlossenen finanzpolitischen Maßnahmen wie die Strom- und Gaspreisbremse die wirtschaftlichen Verwerfungen der Energiekrise abmildern. Die vorliegende Prognose geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft auch im Gesamtjahr 2023 leicht schrumpfen wird, um 0,2 Prozent. Diese Zahl verdeckt jedoch, dass es derzeit wieder leicht aufwärts geht – die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Im ersten Vierteljahr dominierten noch die hohe Inflation und die Unsicherheit, ob und wie schnell sich die Teuerung verlangsamen würde. Auch konnten viele Menschen nicht absehen, wie sich ihre Löhne entwickeln würden. Nun löst sich die Unsicherheit aber nach und nach auf: Die Preise steigen deutlich langsamer als noch zuletzt und erste größere Tarifabschlüsse, beispielsweise bei der Post und im öffentlichen Dienst, lassen die Arbeitnehmer*innen auch in anderen Branchen hoffen. Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte dürften die realen Einkommen erstmals seit drei Jahren wieder steigen. Davon profitiert der private Konsum, der zum Jahresauftakt noch die Achillesferse der deutschen Wirtschaft und maßgeblich dafür verantwortlich war, dass sie in die Rezession rutschte. Das Risiko Inflation ist aber nicht vollends gebannt. Verharrt sie deutlich oberhalb der hier prognostizierten Werte von 5,9 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr, könnte sich die wirtschaftliche Erholung deutlich verzögern – zumal die Europäische Zentralbank dann wohl gezwungen wäre, die Zinsen noch weiter zu erhöhen als bereits unterstellt. Das würde vor allem die Investitionen, die bereits deutlich unter dem aktuell hohen Zinsniveau leiden, weiter dämpfen. Wenn alles gut geht, wird der private Konsum die deutsche Wirtschaft aber auch im nächsten Jahr tragen, die dann um solide 1,5 Prozent wachsen dürfte. Die Erholung der deutschen Wirtschaft hängt derzeit mehr von heimischen Faktoren ab als vom Außenhandel. Zwar werden die Exporte „Made in Germany“ vor allem im kommenden Jahr wieder zulegen, die Importe aber ebenso, sodass der Außenhandel insgesamt kaum zum Wirtschaftswachstum beiträgt beziehungsweise dieses sogar dämpft. Dass sich die Ausfuhren nicht dynamischer entwickeln, liegt daran, dass die fortgeschrittenen Volkswirtschaften in diesem Jahr langsamer wachsen. So erholt sich die Wirtschaft im Euroraum nur nach und nach von der Energiekrise, wenngleich die Situation in den meisten Mitgliedstaaten etwas besser ist als in Deutschland. In den USA kündigt sich für die zweite Jahreshälfte 2023 eine merkliche Abkühlung an. Das weltwirtschaftliche Wachstum – die Prognose sagt für dieses Jahr 3,5 Prozent und für das kommende Jahr 4,1 Prozent voraus – wird neben China auch von anderen Schwellenländern gestützt. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bremsen hingegen hohe Inflationsraten und steigende Zinsen die wirtschaftliche Erholung.

Keywords: Business cycle forecast; economic outlook (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E32 E66 F01 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2023
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