Deutsche Wirtschaft im Aufschwung – Weltwirtschaft wächst moderat weiter
Geraldine Dany-Knedlik,
Guido Baldi,
Nina Maria Brehl,
Angelina Hackmann,
Konstantin A. Kholodilin,
Laura Pagenhardt,
Jan-Christopher Scherer,
Teresa Schildmann,
Hannah Magdalena Seidl,
Ruben Staffa,
Kristin Trautmann and
Jana Wittich
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 11, 153-172
Abstract:
Die deutsche Wirtschaft ist nach drei schwachen Jahren auf Erholungskurs. Belastungen durch den Iran-Krieg und die erratische US-Handelspolitik bremsen die Dynamik zwar, jedoch nur moderat. Der Oberste Gerichtshof in den USA hat zwar die Rechtswidrigkeit der US-Zölle festgestellt – das ändert aber aufgrund des annahmegemäßen Fortbestehens des Abkommens mit der Europäischen Union nichts an den Zollsätzen, mit denen deutsche Ausfuhren belegt werden. Auch der jüngste Anstieg der Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten fällt deutlich geringer aus als während der Energiepreiskrise 2022/23. Deutschland ist heute weniger von fossiler Energie aus der Golfregion abhängig als damals von Gas und Öl aus Russland. Unter der Annahme, dass der stärkste Preisschub bereits erfolgt ist und sich Ölund Gaspreise nur noch moderat entwickeln, dürften sie die Inflation in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte erhöhen und das Wachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpfen. Insgesamt wird die Erholung der deutschen Wirtschaft damit zwar gebremst, aber nicht gestoppt: Der Aufschwung wird weiterhin von der Binnenwirtschaft getragen, während die exportorientierte Industrie angesichts struktureller Schwächen und globaler Unsicherheit nur langsam wieder Tritt fasst. Die deutsche Wirtschaft wuchs 2025 um 0,2 Prozent, gestützt vor allem durch einen starken privaten und öffentlichen Konsum. Zum Jahresende zog die Konjunktur spürbar an. Anfang 2026 setzt sich der Aufschwung fort, wenn auch mit weniger Tempo. Dennoch dürfte er sich weiter festigen, vor allem wegen der sehr expansiven Finanzpolitik: Der öffentliche Konsum bleibt kräftig, und die Staatsinvestitionen ziehen allmählich an – zunächst bei Verteidigung, später bei Infrastruktur. Der private Verbrauch profitiert weiter vom robusten Arbeitsmarkt, während der Außenhandel wegen sinkender Wettbewerbsfähigkeit, Belastung durch die US-Zölle und globaler Unsicherheit schwach bleibt. Die höheren Energiepreise bremsen das Wachstum vorübergehend leicht. Das DIW Berlin erwartet für 2026 ein Wachstum von 1,0 Prozent und für 2027 von 1,4 Prozent. Die Inflationsrate dürfte 2026 bei 2,4 und 2027 bei 2,3 Prozent liegen; weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank sind nicht absehbar. Entscheidend bleibt ein zügiger Einsatz öffentlicher Mittel. Die Risiken wirken in beide Richtungen: Schnellere Projektrealisierungen könnten das Wachstum stärken, während Verzögerungen und Kapazitätsengpässe bremsen würden. Außenwirtschaftlich bleiben US‑Zolle und geopolitische Spannungen zentrale Unsicherheitsfaktoren, während eine Deeskalation im Nahen Osten Entlastung in Form fallender Energiepreise bringen könnte. Die Weltwirtschaft wird im Prognosezeitraum wohl weiterhin moderat expandieren und in diesem und im nächsten Jahr um jeweils rund 3,3 Prozent zulegen. Während eine vielerorts leicht expansive Finanzpolitik die Nachfrage stützt, bremsen die protektionistische US-Handelspolitik und der Iran-Krieg die Dynamik, vor allem ab dem zweiten Quartal 2026. Besonders betroffen sind dabei Regionen mit hoher Abhängigkeit von Energieimporten.
Keywords: Business cycle forecast; economic outlook (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E32 E66 F01 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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