Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft – Weltwirtschaft auf moderatem Wachstumskurs
Geraldine Dany-Knedlik,
Guido Baldi,
Nina Maria Brehl,
Angelina Hackmann,
Konstantin A. Kholodilin,
Laura Pagenhardt,
Jan-Christopher Scherer,
Teresa Schildmann,
Hannah Magdalena Seidl,
Ruben Staffa,
Kristin Trautmann and
Jana Wittich
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 24, 357-387
Abstract:
Die deutsche Wirtschaft kommt nach drei schwachen Jahren nicht recht in Fahrt. Zum Jahreswechsel hatte sich noch eine leichte Erholung abgezeichnet, die vor allem von der Binnenwirtschaft und dem privaten Konsum hätte getragen werden sollen. Doch neben den ohnehin vorhandenen strukturellen Problemen muss die deutsche Wirtschaft nun auch den Folgen des Iran-Kriegs Tribut zollen. Der Energiepreisschock hat die wirtschaftliche Erholung hierzulande ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben seitdem die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und nähren die ohnehin verbreitete Unsicherheit. Ein tiefer Einbruch wie in der Energiepreiskrise 2022/23 zeichnet sich gleichwohl nicht ab. Zum Jahresauftakt ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland noch um 0,3 Prozent gestiegen, getragen allein von der öffentlichen Hand und vom Außenhandel, während die übrige Binnenwirtschaft schwach blieb. Im Verlauf des Jahres macht sich der Energiepreisschock deutlich bemerkbar: Die Wirtschaftsleistung dürfte im zweiten Quartal leicht schrumpfen (um 0,2 Prozent) und auch im dritten Quartal noch geringfügig sinken, bevor sie sich zum Jahresende wieder stabilisiert. Der private Konsum gibt nach und auch die Investitionsbereitschaft bleibt schwach. Stützend wirkt erneut allein die öffentliche Hand. Auch über das laufende Jahr hinaus bleibt die expansive Ausrichtung der Finanzpolitik der entscheidende Treiber. Steigende Verteidigungsausgaben und schrittweise anlaufende Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität tragen den Großteil des Wachstums – Bäume können sie aber nicht ausreißen, die Wirkung der Investitionen entfaltet sich nur zögerlich. Nach voraussichtlich 0,5 Prozent in diesem Jahr erwartet das DIW Berlin für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, jeweils rund ein halber Prozentpunkt weniger als noch im Frühjahr. Die Verbraucherpreisinflation liegt mit 2,9 beziehungsweise 3,0 Prozent über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank, die Arbeitslosenquote steigt auf 6,4 Prozent in diesem Jahr. Wie groß die Risiken sind, zeigt eine aktualisierte Szenarioanalyse des DIW Berlin: In einem marktbasiert abgeleiteten Negativszenario läge das Wachstum in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger. Das entspräche einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr um etwas weniger als ein halbes Prozent. Die Inflation läge auf ähnlichem Niveau wie in der Energiepreiskrise 2023. Die Weltwirtschaft wächst trotz des Energiepreisschocks moderat weiter. Zwar dämpft der Iran-Krieg die globalen Aussichten, doch der Welthandel expandierte zum Jahresauftakt kräftig und schwächt sich nur leicht ab. Vor allem die USA setzen sich von der globalen Abschwächung ab und legen mit 2,2 Prozent in diesem Jahr gegen den Trend zu, getragen von Investitionen und Energieexporten; der Euroraum wächst mit 0,3 Prozent hingegen nur schwach. Für die globale Wirtschaftsleistung erwartet das DIW Berlin insgesamt ein Wachstum von 3,1 Prozent in diesem und 3,3 Prozent im nächsten Jahr.
Keywords: Business cycle forecast; economic outlook (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E32 E66 F01 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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