Unterschätzte Stellschraube: EZB‑Sicherheitenpolitik stärkt Finanzmärkte und reduziert Unsicherheit
Pia Hüttl,
Gökhan Ider and
Matthias Kaldorf
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 27, 427-434
Abstract:
Die Sicherheitenpolitik einer Zentralbank legt fest, welche Vermögenswerte Banken als Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte hinterlegen können. Sie ist damit eine zentrale Stellschraube, um das Bankensystem mit Liquidität zu versorgen und gleichzeitig zu stabilisieren. Mittels eines Hochfrequenz-Identifikationsansatzes wird untersucht, wie die Sicherheitenpolitik der Europäischen Zentralbank Banken, Finanz- und Staatsanleihenmärkte beeinflusst. Wird die Sicherheitenpolitik gelockert, steigen Aktienkurse der Banken stärker als die Kurse des Gesamtmarkts, die Aktienkurse schwanken weniger und das Ausfallrisiko von Banken wird geringer eingeschätzt, insbesondere von Instituten mit schlechter Bonität. Darüber hinaus verengen sich die Renditeabstände zwischen Staatsanleihen der Euroraum-Peripherieländer wie Italien und Spanien gegenüber Euroraum-Kernländern wie Deutschland und Frankreich deutlich. Diese asymmetrische Übertragung vom Bankensystem auf die Staatsanleihemärkte unterscheidet sich grundlegend von den Effekten konventioneller Geldpolitik wie Leitzinsanpassungen, die gleichmäßig über die Euroländer wirkt. Grundsätzlich kann dieser Asymmetrie zwischen Peripherie- und Kernländern des Euroraums entgegengewirkt werden: durch mehr Harmonisierung bei Bankenregulierung und Insolvenzrecht.
Keywords: Central bank collateral framework; bank stocks; government bond market; high frequency identification; intermediary asset pricing (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E44 E58 G12 G21 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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