EconPapers    
Economics at your fingertips  
 

Deutsche Wirtschaft wächst, aber nicht aus eigener Kraft – Weltwirtschaft bleibt auf Kurs

Geraldine Dany-Knedlik, Nina Maria Brehl, Angelina Hackmann, Pia Hüttl, Konstantin A. Kholodilin, Laura Pagenhardt, Jan-Christopher Scherer, Teresa Schildmann, Hannah Magdalena Seidl, Ruben Staffa, Kristin Trautmann and Jana Wittich

DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 36, 535-555

Abstract: Die deutsche Wirtschaft hat sich in diesem Jahr widerstandsfähiger gezeigt als noch im Frühsommer erwartet. Der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs ist milder ausgefallen als angenommen. Trotz des beispiellosen Förderausfalls in der Golfregion sind die Ölpreise nur moderat gestiegen, weil das Angebot andernorts zugleich ausgeweitet wurde. Beim Gas sieht das Bild anders aus: Dort liegen die erwarteten Preise nun höher als im Sommer unterstellt, und die niedrigen Speicherstände dürften ab dem Jahreswechsel spürbar werden. Die Fortsetzung der schwungvollen Erholung steht deshalb auf wackligen Beinen. Im zweiten Quartal expandierte das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent, maßgeblich getragen vom Außenhandel. Die Exporte legten mit 2,0 Prozent unerwartet deutlich zu, vor allem bei chemischen und Mineralölerzeugnissen. Dahinter dürften Vorzieheffekte angesichts der Unsicherheit auf den Energiemärkten stehen. Die Binnennachfrage blieb dagegen verhalten. Der private Konsum stieg nur um 0,1 Prozent, die Ausrüstungsinvestitionen sanken um 1,4 Prozent, und die Erwerbstätigkeit ging weiter zurück. Im dritten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung in etwa stagnieren. Das Niedrigwasser in wichtigen Flüssen behindert Transport und Produktion in den energieintensiven Branchen, und die hohen Energiepreise dämpfen zusätzlich. Dank der expansiven Finanzpolitik dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,2 Prozent zunehmen, in den beiden Folgejahren um 1,0 beziehungsweise 0,7 Prozent. Gegenüber der Sommerprognose hebt das DIW Berlin seine Erwartung für das laufende Jahr damit um gut einen halben Prozentpunkt an. Die Revision geht zu großen Teilen auf die unerwartet kräftigen Exporte im zweiten Quartal zurück. Dieses Tempo dürften die Ausfuhren in den kommenden Jahren allerdings nicht halten, denn strukturelle Schwächen wie die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber wichtigen Märkten wie China bleiben bestehen. Immerhin dürfte die robuste Weltwirtschaft die Auslandsnachfrage stützen. Für die globale Wirtschaftsleistung erwartet das DIW Berlin ein Wachstum von jeweils 3,2 Prozent in diesem und im kommenden Jahr sowie von 3,4 Prozent im Jahr 2028. Zwar belasten die gestiegenen Energiepreise vielerorts die wirtschaftliche Aktivität, zugleich stützen aber der Investitionsboom in Künstliche Intelligenz und steigende Militärausgaben die Nachfrage. Gerade davon könnte die deutsche Wirtschaft als Vorleistungsproduzent profitieren. Insgesamt bleibt die einsetzende Erholung eine Sache der öffentlichen Hand, während die Privatwirtschaft in Deutschland nur schleppend in Fahrt kommt. Die Verbraucherpreisinflation liegt mit 2,7 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im kommenden Jahr weiter deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank. Das zentrale Abwärtsrisiko hat sich derweil vom Öl- zum Gasmarkt verlagert. Ende August waren die deutschen Gasspeicher nur zu rund 52 Prozent gefüllt. Ein kalter Winter oder eine erneute geopolitische Zuspitzung würde die Inflation länger hochhalten und die private Nachfrage dämpfen.

Keywords: Business cycle forecast; economic outlook (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E32 E66 F01 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
References: Add references at CitEc
Citations:

Downloads: (external link)
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.1018523.de/26-36-2.pdf (application/pdf)

Related works:
This item may be available elsewhere in EconPapers: Search for items with the same title.

Export reference: BibTeX RIS (EndNote, ProCite, RefMan) HTML/Text

Persistent link: https://EconPapers.repec.org/RePEc:diw:diwwob:93-36-2

Access Statistics for this article

DIW Wochenbericht is currently edited by Anna Bindler, Tomaso Duso, Sabine Fiedler, Marcel Fratzscher, Peter Haan, Claudia Kemfert, Alexander Kritikos, Alexander Kriwoluzky, Karsten Neuhoff and Sabine Zinn

More articles in DIW Wochenbericht from DIW Berlin, German Institute for Economic Research Contact information at EDIRC.
Bibliographic data for series maintained by Bibliothek ().

 
Page updated 2026-09-05
Handle: RePEc:diw:diwwob:93-36-2