Abstimmungen zwischen Wettbewerbern in aller Öffentlichkeit: Sprachanalyse kann sie aufdecken
Tomaso Duso,
Joseph E. Harrington,
Carl Kreuzberg and
Géza Sápi
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 39, 595-601
Abstract:
Kartellabsprachen werden typischerweise im Geheimen getroffen. Doch Unternehmen können ihr Verhalten auch über öffentliche Kommunikation koordinieren, zum Beispiel in Pressestatements, Interviews oder öffentlichen Gesprächen mit Investor*innen und Analyst*innen. Dieser Bericht stellt ein Verfahren vor, das in großen Mengen öffentlicher Unternehmenskommunikation Aussagen systematisch identifiziert, die eine Abstimmung zwischen Wettbewerbern erleichtern können. Dazu durchsucht es Texte nach Wortpaaren, die strategische Aussagen mit Bezügen zum Wettbewerb verbinden – eine Kombination, die wettbewerbsverzerrend wirken kann. Das Verfahren wird auf rund 350 000 sogenannte Earnings Calls aus den Jahren 2004 bis 2022 angewendet. Das sind regelmäßig stattfindende, öffentlich zugängliche Telekonferenzen börsennotierter Unternehmen mit Investor*innen und Analyst*innen. Die Analyse zeigt, dass Unternehmen in etwa einem Fünftel der Gespräche solche Sprachmuster verwenden. Für die Kartellaufsicht sind sie vor allem dann relevant, wenn Wettbewerber gleichzeitig oder wiederholt ähnlich kommunizieren. Für Wettbewerbsbehörden erweitert diese Methode die Möglichkeiten der verdachtsunabhängigen Kartellaufdeckung. Sie lenkt knappe Prüfkapazitäten auf die auffälligsten Dokumente. Die Europäische Kommission hat die Methode daher bereits für eine erste Nachprüfung auf Basis öffentlicher Kommunikation eingesetzt.
Keywords: Communication; Collusion; NLP; Screening; Text Analysis (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: C23 D22 L1 L4 L64 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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