Zinserhöhungen der EZB wirken in Euroländern mit restriktiver Fiskalpolitik härter
Alexander Kriwoluzky and
Frederik Kurcz
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 41, 623-630
Abstract:
Der Iran-Krieg hat die Energiepreise und dadurch die Inflation im Euroraum erneut in die Höhe getrieben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat darauf mit bisher zwei Zinserhöhungsschritten reagiert, weitere könnten folgen. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass höhere Zinsen nicht nur Unternehmen und private Haushalte, sondern auch die Staatshaushalte belasten: Die Zinsausgaben steigen. Zudem drückt die schwächere Konjunktur die Steuereinnahmen und treibt die Transferausgaben. Dieser Wochenbericht untersucht mit Zeitreihenmodellen für jedes Euroland, wie Schuldenstand, Staatsausgaben, Wirtschaftsleistung und Inflation auf eine Zinserhöhung der EZB reagieren. Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese je nach fiskalpolitischer Reaktion der Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich entwickeln. Länder, die die Haushaltslücke durch Ausgabenkürzungen auffangen, darunter bis 2025 Deutschland, verlieren nach einer Zinserhöhung deutlich mehr Wirtschaftsleistung als Länder, die vorübergehend zusätzliche Schulden aufnehmen. Für die EZB folgt daraus, dass die Wirkung ihrer Zinspolitik von der Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten abhängt. Mit der 2025 eingeleiteten fiskalpolitischen Kehrtwende in Deutschland dürfte sich die Zinswirkung im größten Euroland künftig abschwächen. Dementsprechend muss die EZB die Zinsen möglicherweise stärker anheben, um die Inflation ausreichend zu dämpfen.
Keywords: Monetary policy; fiscal policy; monetary-fiscal interaction; public debt; euro area; Bayesian VAR (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: C32 E52 E62 E63 H63 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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