Beispiel Wiedervereinigung zeigt: Hohe Arbeitskräftenachfrage erhöht Diversität nicht zwangsläufig
Anna Bindler,
Barbara Boelmann,
Lena Janys and
Luisa H. Santiago Wolf
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 41, 633-640
Abstract:
Infolge der deutschen Wiedervereinigung haben ostdeutsche Universitäten nahezu alle gesellschaftswissenschaftlichen Professuren neu besetzt. Die plötzliche und unerwartet hohe Nachfrage nach entsprechenden Wissenschaftler*innen war ein sogenannter positiver Arbeitsnachfrageschock. Dieser Wochenbericht untersucht, ob ein solcher „Schock“ die Diversität in der Arbeitnehmerschaft erhöht und wie sich die Qualität der Arbeitnehmerschaft potenziell verändert. Die deutsche Einheit wird dabei als natürliches Experiment genutzt. Als Vergleich zu den Gesellschaftswissenschaften dienen die sogenannten MINT-Fächer, die weit weniger stark von entsprechenden Umstrukturierungen betroffen waren. Der Frauenanteil unter den Professor*innen in den Gesellschaftswissenschaften ist demnach an ostdeutschen Unis trotz der starken Nachfrage eher zurückgegangen, während gleichzeitig die Auswahlschärfe zumindest teilweise sank: Die Stellen gingen überwiegend an jüngere Männer aus Westdeutschland, die an einem breiteren Spektrum westdeutscher Universitäten habilitiert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Marktkräfte allein nicht zu mehr Diversität führen und dass dies mit Effizienzverlusten einhergehen kann. Die Befunde deuten darauf hin, dass zielgerichtete Gleichstellungsmaßnahmen nicht nur gesellschaftlich, sondern auch ökonomisch sinnvoll sein können, selbst wenn Diversität für sich genommen kein klares politisches Ziel ist.
Keywords: Labor demand; diversity; higher education; universities (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: I23 J23 J45 J70 J82 N34 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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