Kernfusionsforschung verschiebt Schwerpunkt: kommerzielle Nischenprodukte statt Energieversprechen
Charlotte Dering,
Alexander Wimmers,
Fanny Böse,
Claudia Kemfert,
Johanna Krauß,
Björn Steigerwald and
Christian von Hirschhausen
DIW Wochenbericht, 2026, vol. 93, issue 8, 107-116
Abstract:
Die Kernfusion, bei der Atomkerne miteinander verschmolzen werden, verspricht saubere, sichere und nahezu unerschöpfliche Energie. Seit den 1950er Jahren legitimiert dieses Versprechen weltweit umfangreiche öffentliche Investitionen in die Forschung, ohne dass die energiewirtschaftliche Nutzung näher rückt. Doch die Kernfusionsforschung unterliegt derzeit einem erheblichen Wandel: Während öffentliche Großforschungseinrichtungen (Big Science) über die Grundlagenforschung nicht hinauskommen, konzentrieren sich privatwirtschaftliche Unternehmen zunehmend auf Teilkomponenten, wie zum Beispiel die Magnetentwicklung und Lasertechnik. Mithilfe eines Bewertungsschemas lassen sich die Aktivitäten sehr unterschiedlicher privatwirtschaftlicher Kernfusionsunternehmen vergleichbar machen und Schlussfolgerungen für die Forschungs- und Innovationspolitik ziehen. Untersucht werden vier Unternehmen hinsichtlich ihres Entwicklungsstands und -potenzials. Der Vergleich zeigt, dass sich die privatwirtschaftlichen Unternehmen zunehmend auf Komponenten und Teilgebiete konzentrieren, die kurz- und mittelfristig kommerziell nutzbar gemacht werden könnten. Im Gegensatz dazu liegen die Erwartungshorizonte der Großforschung weit jenseits der 2050er Jahre. Deshalb sollte die deutsche Forschungspolitik nicht am Ziel der energiewirtschaftlichen Nutzung von Kernfusion festhalten, sondern auf die Innovationsdynamik privater Akteure setzen und die bestehenden Strukturen der öffentlich finanzierten Großforschung grundlegend evaluieren.
Keywords: nuclear fusion; economics; R&D; laser; magnets (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: L51 L95 Q48 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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