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Harte Zeiten für Afrikas Flüchtlinge

Dirk Kohnert

EconStor Open Access Articles and Book Chapters, 1995, vol. 9, issue 2, 230-239

Abstract: Flucht und Migration aus den Ländern der Dritten Welt haben in den letzten Jahrzehnten ein vorher nie gekanntes Ausmaß angenommen und sie werden zukünftig voraussichtlich noch alles bisher Dagewesene übertreffen. Afrika ist von diesen Wanderungsbewegungen besonders stark betroffen. Obwohl Anfang der 1990er Jahre der Zustrom von Afrikanern auch nach Europa beträchtlich angewachsen ist, sind es doch afrikanische – und nicht europäische - Staaten, die die Hauptlast dieser Flüchtlingsbewegungen zu tragen haben. Sowohl die Ursachen als auch die Auswirkungen der Flucht und Migration sind je nach Gruppen- und Schichtzugehörigkeit unterschiedlich. Die ohnehin schon Armen und Entrechteten, Alten, Frauen und Kinder haben unter sonst gleichen Umständen am meisten zu leiden. Afrikanische Flüchtlinge sind in Europa aus einer Vielzahl von Gründen gegenüber ihren Leidensgenossen aus anderen Regionen der Dritten Welt besonders benachteiligt. In dem Maße wie Flucht und Migration soziale und wirtschaftliche Probleme bei uns und in Übersee verursachen, nimmt auch das Interesse der Politiker zu, diese Probleme zu instrumentalisieren und für eigene Zwecke auszunutzen. Die Taktik einiger afrikanischer Staatsmänner, den Wanderungsdruck afrikanischer Flüchtlinge und Migranten auf Europa als Faustpfand für die Einforderung von mehr Entwicklungshilfe zu nutzen, und die Allianz der deutschen Innen- und Entwicklungspolitik in Fragen der vorbeugenden "Fluchtursachen-Vermeidung" durch Entwicklungshilfe sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille; beide Argumente halten einer empirischen Überprüfung nicht stand. Die Entwicklungshilfe erhöht mittelfristig nach allen bisherigen Erfahrungen eher die Bereitschaft der Jungen und Agilen zur Auswanderung. Die gegenwärtigen innenpolitischen Probleme Deutschlands mit dem Zustrom von Asylbewerbern lassen sich so nicht lösen. Das Asylrecht, das primär dem Schutz politisch Verfolgter dienen soll, wird durch die Massenwanderung von Elendsflüchtlingen aus der Dritten Welt offensichtlich völlig überfordert. Es müßte daher durch ein sowohl sozial als auch wirtschaftlich ausgewogenes Einwanderungsrecht ergänzt werden.

Keywords: international migration; refugees; Africa; asylum policy; European Union; development policy (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: O15 O2 O55 Z13 (search for similar items in EconPapers)
Date: 1995
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