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Einblicke in den neuen "Normalzustand" - israelbezogener Antisemitismus an deutschen Hochschulen

Thomas Hinz, Anna Marczuk and Frank Multrus

No 52, Working Papers from University of Konstanz, Cluster of Excellence "The Politics of Inequality. Perceptions, Participation and Policies"

Abstract: Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland vervielfacht; an Hochschulen fiel der Anstieg besonders stark aus. Der Beitrag präsentiert die Ergebnisse der dritten Welle einer Schnellbefragungsreihe der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz, die deutschlandweite Studierenden- und Bevölkerungsstichproben in Bezug auf israelbezogenen Antisemitismus, Zustimmung zur Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment, and Sanctions) sowie Einstellungen zum Genozid-Vorwurf gegen Israel und zum Existenzrecht des jüdischen Staates vergleicht. Der israelbezogene Antisemitismus ist unter Studierenden seit 2023 gestiegen, vor allem im Bereich der teilweisen Zustimmung zu antisemitischen Aussagen, liegt aber weiterhin unter dem Vergleichswert der Bevölkerungsstichprobe. Studierende berichten jedoch deutlich häufiger als die Bevölkerung, Antisemitismus selbst beobachtet zu haben - allerdings wird dies selten explizit der Institution Hochschule zugeschrieben, sondern eher informellen Räumen (soziale Medien, Demonstrationen, Peergroups). Dies stützt eine Deutung der Hochschule als Katalysator, der bestehende Ressentiments sichtbarer und sozial wirksamer macht, statt sie grundlegend neu zu erzeugen. Die Zustimmung zu Boykottforderungen gegenüber Israel hat sich unter Studierenden seit 2023 erhöht, sehr deutlich ebenso die Zustimmung zum Vorwurf, Israel begehe einen Genozid (auf zwei Drittel der Studierenden). Ein experimentelles Info-Treatment zeigt, dass die Bereitstellung der völkerrechtlichen Genozid-Definition diese Einschätzung nicht verändert, was auf eine moralisch-politisch bereits gefestigte statt wissensbasierte Urteilsbildung hindeutet. Ein Discrete-Choice-Experiment zum Existenzrecht Israels zeigt, dass mit steigendem Antisemitismus-Score die Präferenz für delegitimierende gegenüber das Existenzrecht anerkennende Positionen unter Studierenden zunimmt, wobei eine historisch aus der NS-Verfolgung begründete Legitimation besonders stark an Zustimmung verliert. Ergänzend werden Befunde zum wahrgenommenen Diskursklima ("Silencing" von Israelkritik, Polarisierung) sowie Implikationen für die antisemitismuskritische Bildungsarbeit an Hochschulen diskutiert.

Date: 2026
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DOI: 10.48787/kops/352-2-1ggos3qljerx90

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Page updated 2026-10-24
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