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Wirtschaftswissenschaftliche Politikberatung in Deutschland: Stärken, Schwächen, Optimierungspotenziale

Justus Haucap ()

No 106, DICE Ordnungspolitische Perspektiven from University of Düsseldorf, Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE)

Abstract: Die Politikberatung durch Ökonomen stand schon immer in der Kritik. War sie früher einigen Politikern nicht konkret und eindeutig genug, wird heute eher der mangelnde Pluralismus kritisiert. Ökonomen selbst hingegen klagen nicht selten über die mangelnde Akzeptanz ihrer Vorschläge in der Politik, wo die Vorschläge von Ökonomen nicht immer auf fruchtbaren Boden fallen. Ein Grund für diese gefühlte Fruchtlosigkeit mag darin liegen, dass Ökonomen zu wenig über die Anreize und Zwänge der politischen Entscheidungsträger nachdenken - ein Punkt, der insbesondere von Acemoglu und Robinson (2013), aber auch Cassel (2001) und Rürup (2005, 2009) thematisiert worden ist. Will ökonomische Politikberatung erfolgreich sein, sollte über Wirtschaftspolitik nicht losgelöst vom politischen System und seinen Anreizen nachgedacht werden. In Deutschland dominiert jedoch das Modell der Politikberatung (Cassel 2001) bzw. Politikbegutachtung (Rürup 2005) bzw. dem Fokus auf "Policy" (Acemoglu und Robinson 2013), während Politikerberatung (Cassel 2001) weniger ausgeprägt ist bzw. "Politics" zu wenig beachtet werden (Acemoglu und Robinson 2013). Eine Ergänzung der Gremien der Politikberatung durch Institutionen der Politikerberatung könnte durchaus sinnvoll sein. Im Quervergleich der Wissenschaften funktioniert zumindest die Politikberatung im Sinne eines Wissenstransfers in die Öffentlichkeit offenbar gar nicht so schlecht. Ein Großteil der in Medien am meisten rezipierten Wissenschaftler waren, zumindest vor der Corona-Krise, Ökonomen. Gleichwohl konzentriert sich dieser Wissenstransfer auf wenige Ökonomen, die stark rezipiert werden, während der Großteil der Ökonomen gar nicht in wichtigen Medien zu finden ist. Ein Grund für letzteren Befund kann darin liegen, dass für Ökonomen der Druck bzw. die Anreize, in internationalen Fachzeitschriften zu publizieren, stark zugenommen hat. Internationale Fachzeitschriften sind jedoch stark an allgemeinen Befunden interessiert, die nicht landesspezifisch sind. Letzteres dürfte jedoch gerade für die Politikberatung wichtig sein. Unsere Analyse des Publikationsverhaltens deutschsprachiger Spitzenforscher ergibt, dass sich der Anteil der Forscher aus dem deutschsprachigen Raum in ökonomischen Top-Zeitschriften in den letzten zehn Jahren zwar deutlich erhöht hat und die deutschsprachigen Ökonomen offenbar international wettbewerbsfähiger geworden sind, zugleich aber die Anzahl ihrer Beiträge mit einem Bezug zur D/A/CH-Region nicht nur relativ stark gesunken ist (von 26,2% auf 11,5 %), sondern auch in absoluten Zahlen. Die deutschsprachigen Ökonomen, die in den Top-Journalen publizieren, scheinen sich immer weniger für das Geschehen im Land zu interessieren, zumindest nicht wissenschaftlich.

Date: 2020
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Page updated 2021-01-15
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