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Weltwirtschaft: trügerische Stabilität

Thomas Obst and Galina Kolev-Schaefer

No 65/2025, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute

Abstract: Die Weltwirtschaft zeigt im Herbst 2025 trotz erheblicher geopolitischer Spannungen und handelspolitischer Konflikte eine trügerische Stabilität und blieb im Jahresverlauf erstaunlich robust. Der globale Warenhandel lag in den ersten neun Monaten - getrieben durch Vorzieheffekte in Erwartung höherer Zölle - deutlich über dem Vorjahreswert. Aufgrund der anhaltend hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit dürfte sich die Dynamik der Weltwirtschaft im Prognosezeitraum abschwächen. Das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung wird von 2,5 Prozent im Jahr 2025 auf 2 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen. Der internationale Warenverkehr bleibt durch das protektionistische Umfeld belastet. Der Welthandel expandiert in diesem Jahr noch kräftig um 4,5 Prozent, wird aber 2026 voraussichtlich nur um 1,5 Prozent zulegen. Die Risiken für die weltwirtschaftliche Entwicklung sind vielfältig. Neben einer möglichen Eskalation von handels- und geopolitischen Konflikten, zählen dazu potenzielle Unterbrechungen von internationalen Lieferketten, etwa bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Die strategische Instrumentalisierung der Handelspolitik markiert einen Epochenbruch. Trotz bilateraler Vereinbarungen bleibt das US-Zollniveau historisch hoch und belastet die globale Wirtschaftsleistung im Prognosezeitraum. Die hohe Staatsverschuldung in den G7-Staaten, steigende Zinslasten und die Gefahr einer abrupten Neubewertung von Technologieaktien im Zuge des Künstliche Intelligenz (KI) Investitionsbooms erhöhen die Schockanfälligkeit der Finanzmärkte. Positive Impulse könnten von sinkenden Energiepreisen und produktivitätssteigernden Effekten der KI-Investitionen ausgehen. Insgesamt ergibt sich eine strukturelle Verschiebung hin zu einer geopolitisch geprägten Weltwirtschaft mit einer Erosion multilateraler Handelsnormen. Regional zeigen sich folgende konjunkturelle Entwicklungen: In den USA kompensieren Vorzieheffekte, ein damit verbundener Lageraufbau sowie eine Ausdehnung der privaten Investitionen die negativen Effekte der Handelszölle. Das reale BIP wächst um 2 Prozent in diesem Jahr, im kommenden Jahr aufgrund erhöhter wirtschaftspolitischer Unsicherheit um 1,7Prozent. China bleibt gefangen in der Strukturkrise. Die Volkswirtschaft expandiert trotz Immobilienkrise um 4,7 Prozent, getragen von Exporten und fiskalischen sowie geldpolitischen Stimuli. Die Unterauslastung der Produktion und der handelspolitische Gegenwind führen 2026 zu einer Abschwächung auf 4,3 Prozent. Japans Wirtschaft wird von einem schwachen Yen, gestiegenen Exporten sowie Unternehmensinvestitionen gestützt. Das reale BIP wächst 2025 um 1,2 Prozent, 2026 aufgrund einer nachlassenden Dynamik bei Exporten und Industrieproduktion um 0,7Prozent. Das Wachstum im Euroraum bleibt in diesem Jahr moderat aufwärtsgerichtet mit 1,4 Prozent. Es fehlt aber an Schwung. 2026 geht die Wirtschaftsleistung auf 1,1 Prozent zurück, belastet durch die US-Handelszölle und Risiken bei der Schuldentragfähigkeit. Frankreich befindet sich im Sog der politischen Krise und wächst dieses Jahr um 0,7 Prozent, im kommenden Jahr um 0,8 Prozent. Italiens Wirtschaft schwinden die Ziehkräfte. Die Wirtschaft wächst dieses Jahr schwach mit 0,5 Prozent, im kommenden Jahr um 0,7 Prozent. Die Wirtschaft im Vereinigten Königreich expandiert aufgrund eines starken Jahresbeginns mit 1,4 Prozent im Jahr 2025, und im Jahr 2026 mit 1,2 Prozent.

Keywords: Internationale Konjunktur; Zoll; Geldpolitik; Finanzpolitik; Wirtschaftsprognose (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E66 F44 F47 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2025
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