Entspannung durch Verhandlungspausen: Tarifpolitischer Bericht 2. Halbjahr 2025
Hagen Lesch and
Maya Seelhorst
No 5-2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute
Abstract:
Das Jahr 2025 war ein ruhiges Tarifjahr. Insgesamt fanden in lediglich zwölf der inzwischen 22 vom IW-Tarifmonitoring erfassten Branchen Tarifverhandlungen statt. Dabei wurden 15 Tarifverhandlungen geführt oder gestartet, allein neun im ersten Halbjahr. Im zweiten Halbjahr 2025 wurde in der Eisen- und Stahlindustrie, für die Kabine von Eurowings, für das Cockpit der Deutschen Lufthansa sowie im Öffentlichen Dienst der Länder verhandelt. In drei weiteren Branchen (Chemische Industrie, Deutsche Bahn und Bodenpersonal der Lufthansa) wurden Forderungen gestellt, aber noch keine Verhandlungen aufgenommen. Da es in vielen Branchen eine Verhandlungspause gab, kam es im Jahr 2025 zu weniger Konflikten als in den Vorjahren. Zudem wurden die Tarifrunden weniger konfliktintensiv ausgetragen. Ein Blick auf die Indikatoren zur Konfliktmessung von Tarifverhandlungen zeigt: Die maximale Eskalationsstufe erreichte im Jahr 2025 im Durchschnitt aller 15 Tarifkonflikte den Wert 2,5 und die Konfliktintensität lag bei 6,4 Punkten. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren hat sich die Konfliktintensität nahezu halbiert, während die maximale Eskalationsstufe vergleichsweise hoch blieb. Ging es im ersten Halbjahr 2025 zum Teil noch vergleichsweise konfrontativ zu, verliefen die Tarifverhandlungen des zweiten Halbjahres kooperativer. Zwar scheiterten die Tarifverhandlungen über die Altersversorgung der Piloten bei der Deutschen Lufthansa. Die Pilotengewerkschaft führte nach einer Urabstimmung aber keinen Arbeitskampf. Stattdessen strebte sie weiterhin eine Verhandlungslösung an. Die Konflikthandlungen des noch ungelösten Konflikts summierten sich bisher auf 8 Punkte. Im öffentlichen Dienst der Länder kam es nach der ersten Verhandlungsrunde punktuell zu Warnstreiks. Auch hier fielen bis zum Jahresende 8 Konfliktpunkte an. In der Eisen- und Stahlindustrie verzichtete die IG Metall auf die sonst üblichen Warnstreiks. Sie beließ es bei zwei Streikdrohungen (2 Konfliktpunkte). Beim Kabinenpersonal von Eurowings ging es - ebenso wie in den Tarifrunden in der Chemischen Industrie sowie beim Bodenpersonal der Lufthansa - konfliktfrei zu. Allerdings wurden in der Chemischen Industrie und bei der Lufthansa bisher nur Forderungen gestellt. Im Jahr 2026 wird es wieder deutlich mehr Tarifauseinandersetzungen als 2025 geben. Den Auftakt machen bereits im Januar 2026 die Chemische Industrie, die Deutsche Lufthansa und die Deutschen Bahn (mit der GDL). Im Frühjahr folgen Tarifrunden für die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern, die Mitarbeiter der Deutschen Telekom sowie die Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzel- und Großhandel. Im Sommer wird unter anderem in der bayerischen Gastronomie und im Privaten Bankgewerbe verhandelt. Ende Oktober läuft dann der Entgelttarifvertrag in der Metall- und Elektro-Industrie aus. Zum Jahresende werden eine ganze Reihe von Tarifverträgen fällig, etwa in der Luftfahrt, in der Gebäudereinigung oder in der Systemgastronomie. Dadurch wird auch das erste Halbjahr 2027 ein verhandlungsintensiver Zeitraum.
Keywords: Tarifverhandlungen; Arbeitskonflikt; Branche; Deutschland (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: J50 J51 J52 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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