Längere Arbeitszeiten
Holger Schäfer and
Oliver Stettes
No 13/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute
Abstract:
Der deutsche Arbeitsmarkt wird in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen, die durch den demografischen Wandel hervorgerufen werden. Die gegenwärtige konjunkturelle Krise und damit einhergehende Schwäche der Arbeitskräftenachfrage ändern nichts an der Tatsache, dass das Arbeitskräftepotenzial dramatisch schrumpft. Damit dies nicht in einen wachstumsbegrenzenden Rückgang des Arbeitsangebots mündet, müssen Mechanismen zur Kompensation greifen: Ausweitung des Potenzials durch Fachkräftezuwanderung, Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und Ausweitung der Arbeitszeit. Es muss damit gerechnet werden, dass das Potenzial aus der Zuwanderung begrenzt bleiben wird und sich die Erwerbsbeteiligung bestenfalls in einer längeren Frist erhöhen lässt. Auch das Potenzial, das mit einer Aktivierung Arbeitsloser erschlossen werden könnte, reicht nicht aus. Damit verbleibt die Arbeitszeitverlängerung als eine entscheidende Stellschraube zur Bewältigung der demografischen Lasten. Eine wirkungsvolle Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist von den geplanten und zum Teil bereits beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung nicht zu erwarten. Hierfür müsste die Möglichkeit für besonders langjährig Versicherte, ohne Abschläge vorzeitig Rente beziehen zu können, abgeschafft werden. Allgemein müssen die Konditionen für einen vorzeitigen Renteneintritt mit Abschlägen für derzeit langjährig Versicherte dahingehend modifiziert werden, dass die Renteneintrittsentscheidung effektiv in Richtung des gesetzlichen Renteneintrittsalters verschoben wird. Vor diesem Hintergrund sollte auch die Wiedereinführung der Hinzuverdienstgrenze erwogen werden. Eine automatische Anpassung des gesetzlichen Eintrittsalters würde langfristig die Relation der Beitragszahler zu Beitragsempfängern in einer ausgewogenen Balance halten. Die Wochen- oder Jahresarbeitszeit lässt sich nur indirekt politisch steuern, denn sie wird autonom von Arbeitnehmern und Betrieben verhandelt. Der Gesetzgeber kann nur einen Rahmen schaffen, der eine Ausweitung der individuellen Arbeitszeit attraktiv macht. Die im Koalitionsvertrag festgelegten Maßnahmen weisen im Ansatz in die richtige Richtung, bleiben aber Stückwerk und kranken an Problemen im Detail. Die wesentliche Stellschraube besteht in der Verringerung des Abgabenkeils. Erwerbstätige werden bereit sein, länger zu arbeiten, wenn es sich durch ein höheres verfügbares Einkommen auszahlt. Aktuelle Befunde aus der IWBeschäftigtenbefragung 2025 bestätigen, dass das Gros der aufstockungswilligen Beschäftigten die Erwartung haben, die Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit müsse sich auch lohnen. Darüber hinaus gehören bestehende Regeln sowie politisch diskutierte und avisierte gesetzliche Maßnahmen auf den Prüfstand. In einem "Demografie-Check" muss jede Regelung, die Anreize zu einer Verringerung des Arbeitsangebots setzt, dahingehend bewertet werden, ob der beabsichtigte Zweck die problemverschärfende Wirkung auf das Arbeitsangebot rechtfertigen kann. Befunde aus den IW-Beschäftigtenbefragungen 2024 und 2025 signalisieren, dass auch die Unternehmen durch eine altersgerechte und lebensphasenorientierte Personalpolitik ihren Beitrag dazu leisten können, dass Beschäftigte motiviert werden, mehr und mit Blick auf die Lebensarbeitszeit länger zu arbeiten. Aus Sicht der Beschäftigten ist eine Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort ein wichtiger Faktor für eine potenzielle Ausweitung der eigenen wöchentlichen Arbeitszeiten.
Keywords: Arbeitskräftepotenzial; Arbeitszeitgestaltung; Altersgrenze; Arbeitsmarktreform; Deutschland (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: J11 J21 J26 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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