Gesellschaftspolitische Spannungen am Arbeitsplatz
Matthias Diermeier,
Konrad Doliesen and
Andrea Hammermann
No 14/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute
Abstract:
Gesellschaftspolitische Diskussionen sind in deutschen Unternehmen weit verbreitet: Nur fünf Prozent der befragten Personalverantwortlichen berichten, diese überhaupt nicht wahrzunehmen. Aus Sicht der Beschäftigten bestätigt sich die Relevanz: Acht von zehn Beschäftigte in Deutschland erleben solche Gespräche zumindest gelegentlich. Unterschiede zeigen sich nach Arbeitsbereich - außerhalb des Büros beispielsweise in der Produktion wird häufiger diskutiert - und regional: Migration und die Spaltung der Parteienlandschaft dominieren in Ostdeutschland, Klimapolitik eher im Westen. Auswirkungen auf das Betriebsklima sind überwiegend nicht spürbar. Mehr als die Hälfte der Personalverantwortlichen sieht weder positive noch negative Effekte, ein Viertel erkennt eine förderliche Wirkung auf das Miteinander. Auch Beschäftigte nehmen die Debatten meist gelassen zur Kenntnis: Nur 14 Prozent bewerten sie negativ. Spannungen oder Ausgrenzung sind bislang die Ausnahme. Entscheidend ist weniger das Thema als die Art und Intensität der Diskussion. Wo konstruktiv debattiert wird, kann das Miteinander gestärkt werden. Ein zentraler Einflussfaktor ist die wirtschaftliche Lage: Stabilität wirkt konfliktmindernd, ökonomische Sorgen hingegen sind ein Katalysator für Spannungen weit über wirtschaftliche Fragen hinaus. Der Blick nach vorn: Rund 60 Prozent der deutschlandweit befragten Personalleiter erwarten eine Zunahme gesellschaftspolitischer Diskussionen in den nächsten fünf Jahren. 42 Prozent bewerten Ihr Unternehmen als gut vorbereitet - nur etwas mehr als jedes zehnte Unternehmen wähnt sich schlecht vorbereitet. Viele Unternehmen setzen bereits auf Maßnahmen wie Teambuilding, Verhaltenskodizes oder Anlaufstellen im Konfliktfall. Ziel ist eine Unternehmenskultur, die gesellschaftspolitische Fragen antizipiert und konstruktiv integriert. Die Rolle, die Führungskräfte dabei einnehmen sollten, wird von Beschäftigten je nach Altersgruppe unterschiedlich bewertet: Jüngere Beschäftigte, die sich in den gesellschaftspolitischen Themen häufig zurückhalten, wünschen sich im Gegensatz zu ihren älteren Kollegen mit rund 26 Prozent mehr als doppelt so häufig ein stärkeres Eingreifen ihrer Führungskraft, um Spannungen vorzubeugen oder diese beizulegen.
Keywords: Betrieblicher Konflikt; Politische Einstellung; Unternehmenskultur; Personalführung; Mitarbeiterbefragung; Deutschland (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
New Economics Papers: this item is included in nep-ger
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