Deutsche Konjunktur in instabiler Seitenlage: IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2026
Hubertus Bardt,
Martin Beznoska,
Markus Demary,
Michael Grömling,
Ralph Henger,
Thomas Obst,
Jochen Pimpertz,
Thomas Puls,
Holger Schäfer,
Thilo Schaefer and
Stefanie Seele
No 20/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute
Abstract:
Mit dem Krieg im Nahen Osten sieht sich die gesamte Weltwirtschaft mit zusätzlichen und schwer kalkulierbaren ökonomischen Belastungen konfrontiert. Die Blockade der für die globale Versorgung mit Energie und teils weiterverarbeiteten Gütern wichtigen Seeroute durch die Straße von Hormus und die Beschädigungen von Produktionsanlagen schaffen neben den Energieproblemen im Gefolge des andauernden Krieges in der Ukraine erneute Versorgungsrisiken kombiniert mit Energiepreiseffekten auf der Erzeuger- und Konsumebene. Zusätzlich werden industrielle Lieferketten und Produktionsmöglichkeiten weltweit bedroht. Der Krieg im Nahen Osten wird die Inflation weltweit erhöhen und das Wachstum dämpfen. Die Weltwirtschaft legt im Jahr 2026 nur noch um 2 Prozent zu. Die Verwerfungen in den globalen Lieferketten werden auch den globalen Warenhandel abschwächen. Dieser expandiert in diesem Jahr nur noch um 1,7 Prozent. Die Prognose bleibt mit hoher Unsicherheit behaftet. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen von der Dauer des politischen Konfliktes und den sich daraus ergebenden ökonomischen Folgen ab. Aussagen zu den politischen Entwicklungen kann eine Konjunkturprognose nicht liefern. Es können lediglich Annahmen hinsichtlich einer politischen Lösung getroffen und in der Prognose als Rahmenbedingung gesetzt werden. In Deutschland lassen die bereits bestehenden Belastungen durch den Nahost-Krieg und die für das gesamte Jahr erwarteten Liefer- und Produktionsstörungen das preis- und arbeitstäglich bereinigte BIP im Jahresverlauf 2026 kaum von der Stelle kommen. Das jahresdurchschnittliche Wachstum des realen BIP von gut 0,4 Prozent ergibt sich größtenteils aus einem positiven Kalendereffekt. Durch die globale Abschwächung bleibt das deutsche Exportgeschäft weiter rückläufig. Die privatwirtschaftliche Investitionstätigkeit kommt nicht von der Stelle. Durch den erneuten Energieschock mit einer jahresdurchschnittlichen Inflationsrate von gut 3 Prozent stagniert auch der private Konsum. Die Inlandsnachfrage wächst vorwiegend aufgrund des expandierenden Staatskonsums und staatlicher Investitionen im Bereich Verteidigung. Der deutsche Staat wird aufgrund der Ausgabensteigerungen und der schwachen Konjunktur im Jahr 2026 ein Defizit von schätzungsweise 156 Milliarden Euro oder 3,4 Prozent des BIP ausweisen. Die Anzahl der Erwerbstätigen wird 2026 um 190.000 Personen sinken, während die Arbeitslosigkeit leicht auf rund 3 Millionen ansteigen wird.
Keywords: Konjunktur; Weltwirtschaft; Arbeitsmarkt; Staatshaushalt; Finanzmärkte (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: E2 E3 E5 E6 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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